Folge 2.05
Schlaflos
Logan kam an diesem Morgen in die Küche und war erstaunt darüber, dass er Lucy dort nicht alleine fand, sondern in Gesellschaft von Max und Bobby. Alle drei saßen zusammen um einen Tisch und waren gerade dabei zu frühstücken. Mit einer kleinen Bewegung ihrer Hand lud die blonde Mutantin Logan dazu ein, sich zu ihnen zu gesellen. Dieses Angebot lehnte er jedoch ab, denn da alle anderen Erwachsenen heute nicht da sind, waren einige Dinge zu erledigen. Der Mutant verabschiedete sich also von den Dreien und ging in das Büro des Professors, wo er sich auf seine Couch setzte und nachdachte. Gehört Lucy nun doch zu den anderen? Hat sie nun Freunde gefunden? Braucht sie ihn doch nicht? Hat der Professor sich also geirrt? Aber das kann nicht sein, der Professor weiß doch alles, wie kann ihm das entgangen sein? Während er seinen Gedanken nachhing und nicht wusste, was er selbst nun glauben sollte, kam Logan eine Idee. Es könnte all seine Fragen beantworten und vielleicht würde er der Kleinen doch noch helfen können. Motiviert, aber auch nicht sicher darüber, ob er das Geheimnis seiner Krankenschwester wirklich lösen könnte, verließ Logan das Büro wieder. Er wollte nach draußen gehen, zu dem Ort, an den sich Lucy immer wieder zurückzog, doch er kam nicht dorthin, da Rogue auf einmal auf ihn zu gerannt kam. Zufrieden gelaunt und mit einem breiten Lächeln auf ihrem Gesicht, dass er schon von weitem erkennen konnte. Schon ohne sie überhaupt zu sehen, wusste er, dass sie nach ihm rief, denn nur sie und Lucy nannten ihn Logan. Für alle anderen war er nur Wolverine, der Mutant mit den Krallenhänden, nur für seine zwei Mädchen, da war er etwas anderes, ein Freund, ein großer Bruder, der ihnen zuhört. Aus diesem Grund umarmte Rogue ihn nun und flüsterte ihm etwas ins Ohr: „Logan, ich brauch deine Hilfe…“
Mit einem Lächeln und einem Augenzwinkern ließ sie ihn wieder los und verschwand dann wieder, um zu ihren Freunden in die Küche zu gehen. Nur Logan blieb verwundert zurück und wusste nicht, was er davon halten sollte. Seiner Meinung nach konnte Rogue aber noch etwas auf sie warten und so ging er nach draußen in den Garten. Die Sonne erhellte bereits das ganze Grün und die vielen Farben der Blumen, auch die auf dem Grab von Susan Xavier. Auf dieses ging Logan nun zu, ohne zu wissen, was ihn erwarten würde…
In der Küche freute sich Bobby, dass seine Freundin auch schon auf den Beinen war und stellte einen Stuhl neben sich, damit sie sich zu ihm setzen konnte. Doch Rogue hatte keinen Hunger und trank nur etwas Milch, während sie hinter ihrem Freund stand und zusah wie Max und Lucy über irgendetwas lachten. Denn versehentlich hat Max sein Glas umgeschüttet und nun lag Lucys Schinkenbrot in einer Milchpfütze. Auch Bobby fand es lustig mit anzusehen wie sein Kumpel nun hektisch versuchte noch irgendetwas von Lucys Brot zu retten, dass sie dann noch essen konnte. Rogue fand dieses Verhalten aber alles andere als lustig und war froh, als sie ihr Glas endlich ausgetrunken hat und gehen konnte.
Als sie zum Klassenraum ging, hörte sie Bobbys Stimme hinter sich und drehte sich hastig um. Sein Gesicht sagte nichts Gutes, dass sah sie ihm sofort an und es machte ihr Sorgen. Sie mochte es nicht ihren Freund so zu sehen, aber er schien irgendetwas auf dem Herzen zu haben. Das, was er ihr aber sagen wollte, erfreute sie gar nicht: „Was ist los, Rogue? Hat Lucy dir irgendwas getan, dass du so gemein zu ihr bist?… Gut, es war nicht richtig wie sie mit Max umgegangen ist – aber zwischen ihnen ist alles wieder in Ordnung, also was soll dein Verhalten dann?… Rogue, ich versteh dich nicht…“
Rogue mochte es gar nicht, wenn ihr Freund sie so ansah. Seine Reaktion zeigte ihr zudem, dass sie beim Thema LUCY nicht die gleiche Ansicht hatten und deshalb sollte sie es in seiner Gegenwart lieber ausschweigen. Sie änderte also ihren Gesichtsausdruck und lächelte Bobby verträumt an, um ihn zu besänftigen. Da ihr einfach nicht widerstehen konnte, legte er seinen Arm um ihre Schultern und ging mit ihr zusammen zum Aufenthaltsraum. Dort saß auch schon John, der mal wieder mit seinem Feuerzeug spielte und damit allen auf die Nerven ging. Aber das interessierte ihn nicht wirklich, er mochte es, dass ihn alle in Ruhe ließen und niemand mit ihm redete. Auf diese Weise konnte er sich frei und unbeschwert fühlen, während die anderen doch nur das taten, was der alte Professor ihnen sagte. Einem Mann, der doch selber nicht mehr alle Tassen im Schrank hatte – nein, John hatte nichts für ihn übrig und wenn sich die Gelegenheit dazu ergeben würde, dann wäre er schon im nächsten Augenblick geflüchtet um dieser Anstalt zu entkommen.
Damit Lucy nicht auf solche Gedanken kommen konnte, versuchte Max seine beste Freundin so gut es eben ging abzulenken. Er wollte, dass sie glücklich wird und konnte dabei einfach nicht die Augen von ihr lassen. Ihr Lächeln ließ sein Herz höher schlagen und förmlich Luftsprünge machen vor Freude, sie bei sich zu haben. Der Mutant wollte einfach vergessen, dass sie noch vor ein paar Tagen weg laufen wollte und er sie womöglich verloren hätte. Aber sie war hier, stand direkt vor ihm und räumte ein wenig in der Küche auf. Sie war wunderschön und er wusste nicht, was ihn mehr faszinierte, die Unbeschertheit, die sie heute an den Tag legte, oder die Sonnenstrahlen, die sich in ihrem blonden Haar spiegelten, so dass es ein Lichtspiel darin gab. All dies nahm ihn in ihren Bann und ließ ihn einfach nicht mehr los. Er wollte es auch gar nicht, denn immerhin wusste er, dass er mehr für sie empfand als nur Freundschaft… Wieso kann ich es ihr nicht einfach sagen? Warum muss es nur immer so kompliziert sein?… Lucy… ich kann es nicht… ich will sie nicht verlieren… ich liebe dich…
Lucy fiel ein Teller zu Boden, der auf den Fliesen zersprang und in alle Richtungen flog. Erschrocken kniete sie sich hin und versuchte die Scherben aufzusammeln, ohne zu bemerken wie die diese durch die Handschuhe in ihre Hände schnitten. Max sah wie einzelne Bluttropfen auf den Boden fielen und versuchte Lucy zu helfen. Wieder zuckte sie ängstlich zusammen und riss sich von ihm los. Sie rannte hoch auf ihr Zimmer und warf sich aufs Bett, während Max unten ahnungslos und verwirrt zurückblieb.
Was war nur auf einmal in sie gefahren? Sie hatte sich verletzt und wollte sich einfach nicht helfen lassen… Wusste sie, was er gedacht hatte? Hat sie seine Gedanken lesen können?
In der Zwischenzeit hatten Jean und Storm den Ort gefunden, an dem sich der Mutant aufhalten sollte, der den Präsidenten angegriffen hatte. Die beiden Frauen sahen sich nun fragend in der kleinen, heruntergekommenen Kirche um. Sie hörten nichts, was ihnen seltsam vorkam. Denn schließlich war diese Gegend berüchtigt für Krawalle und Schlägereien unter Jugendlichen, doch hier war nichts davon zu spüren. Der Ort strahlte eine gewisse Ruhe aus, bis Storm und Jean doch etwas hören konnten… eine Stimme… jemand der zu Gott sprach und um Vergebung bat, für alle seine Sünden. Erst dachte Storm, einen Priester zu hören, aber Jean war anderer Meinung und sah nach oben. Storm folgte ihrem Blick und konnte zunächst nichts in der Dunkelheit sehen als die Verstrebungen der Dachbalken. Dann bewegte sich allerdings etwas dort oben, wie das Pendel einer Standuhr. Es war der Schwanz des Mutanten, der in der Dunkelheit für seine Seele betete und der bestimmt niemals freiwillig zu ihnen heruntergekommen wäre. Storm schloss also ihre Augen, hob ihre Arme empor und sorgte dafür, dass ein Wind in dem alten Gemäuer aufkam und den Mutanten zu ihnen nach unten brachte. Dort blieb er aber nicht lange, sondern verschwand immer wieder und tauchte an anderen Stellen wieder auf. Jean versuchte die Gedanken des Rastlosen zu lesen, um zu wissen, was ihm eine solche Angst machte. Anders als Storm, die dem blauen Wesen zwar auch helfen wollte, aber wusste, dass sie an diesem Ort nicht weiterkommen würden. Wieder rief sie einen Wind heraus, der dieses Mal stärker war und einige der Dachbalken zerstörte, die drohten auf sie nieder zu stürzen und die Frauen unter sich zu begraben. Aus Angst, die Schuld für zwei Tode auf sich nehmen zu müssen, sprang der Mutant auf einmal auf Storm zu. Erschrocken vergaß sie alles um sich herum und hörte nur noch einige Dinge über sich zusammenbrechen, während sie von ihrem Retter geschützt wurde und nur ihr Fuß eingeklemmt wurde unter einem der dicken, schweren Balken.
Auch Jean ging es gut und nun lief sie zu Storm, um zu vergewissern, dass es ihr ebenfalls den Umständen entsprechend ging, so dass sie diesen Ort wieder verlassen konnten. Storm nickte ihr zu und lies sich von Jean und dem unbekannten Mutanten zum Jet bringen, da ihr Fuß schmerzte…
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War es das, war das wirklich alles? Ein Grabstein… doch wieso hier, in diesem Garten, auf dem Gelände der Schule… Xavier, der Name des Professors… aber was hatte er mit Lucy zu tun, was hatte das alles mit der Kleinen zu tun? Hätte er es ihm sagen müssen, ja, wenn er schon auf seine kleine Krankenschwester aufpassen sollte, dann hätte der Professor ihm mehr sagen müssen… nur diese Unsicherheit, das Verlangen, noch mehr zu erfahren… ihr irgendwie zu helfen, wenn er sich schon nicht helfen konnte… Logan sah auf den Grabstein von Lydia Xavier hinunter und dachte darüber nach, was er noch tun könnte. Er wollte Lucy irgendwie helfen, so wie er es dem Professor versprochen hatte. Aber ließ ihn der Gedanke nicht los, dass der Mann mit dem Rollstuhl etwas verschwiegen hatte - etwas, das wichtig war. Gedankenverloren ging er zurück, immer auf das Schulgebäude zu. Aus welchem Lucy ihn von ihrem Fenster beobachten konnte.
Warum war er dort unten? Was interessierte ihn das Grab ihrer Mutter?… Wusste er, wer sie war? Was sie konnte und aus diesem Grund niemals zulassen darf, dass Max sich Hoffnungen macht… Wieso hatte er sich nur in sie verliebt? – Ja, er hat sich immer um sie gekümmert, wenn sie ihn brauchte… aber sie hätte doch wissen müssen, was er fühlt… sie hätte es selber spüren müssen, seine Gedanken lesen können… aber das wollte sie nicht… Lucy wusste, dass es nun ein Fehler gewesen war, Max und Sammy einfach blind zu vertrauen. Sie hatte gedacht, es wären Menschen. Ihre Freunde, die sie in keine Gefahr bringen würden… aber sie hatte sich geirrt, Max war wie sie, ein Mutant… Er konnte ihr gefährlich sein, ihr wehtun ohne es wirklich zu wollen und er würde es noch nicht einmal wissen, so wie ihre Eltern es nicht gewusst haben… wie er…
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Logan ging zielstrebig in sein Zimmer und wollte in Ruhe noch einmal über alles nachdenken. Über alles, was Lucy ihm gesagt hatte, alles was der Professor von ihm verlangt hatte… aber es war auch so gut wie nicht…
Erschöpft und durcheinander legte er sich aufs Bett und versuchte zu schlafen, aber wieder spielten seine Gedanken ihm einen Streich. Er sah Bilder vor seinen Augen, die keinen Sinn ergaben. Er hörte Stimmen, die er noch nie gehört hatte, ihm aber doch bekannt vorkamen. Ein Becken mit einer seltsamen Substanz und sein Name, der ihn aufschrecken ließ… WOLVERINE…
Logan rieb sich die Augen und musste feststellen, dass es bereits dunkel geworden war. Nur konnte er sich nicht daran erinnern, so lange geschlafen zu haben. Immer noch mitgenommen ging er die Treppe nach unten und fand Bobby in der Küche, der wohl auch nicht mehr schlafen konnte. Still schweigend sitzen die beiden sich gegenüber, bis Bobby Logan eine Frage stellt: „Weißt du, was mit Rogue los ist? Sie war so seltsam heute und ich glaube… ich weiß nicht… Oh, Max, könntest du auch nicht schlafen?“
Logan drehte sich um und sah Max in die Küche kommen. Der junge Mutant war angeschlagen und schien schlecht geschlafen zu haben, so wie es heute scheinbar allen ging. Da Logan aber keine Lust hatte, sich die Probleme der beiden Jungs anzuhören, ließ er sie wieder allein. Langsam ging er auf sie Tür zum Garten zu und seine Hand streckte sich bereits der Klinke entgegen, als er seinen Namen hörte… LOGAN… Lucy war die Treppe herunter gekommen und sah verwirrt aus. Fast ängstlich kam sie auf den Mutanten zu und wollte ihn zur Rede stellen: „Was weißt du?“
FORTSETZUNG FOLGT…