Folge 2.07
Vergangenheit
Logan betrachtete seine Hand. Das Rot war verschwunden, doch er konnte den Schmerz noch immer spüren. Erst dachte er daran, dass seine beiden Mädchen die gleichen Fähigkeiten hatten. Doch Rogue verbrannte ihn niemals… Lucy war also anders. Vielleicht war eben jeder Mutant einzigartig, nur hatte kein anderer so viel Angst. Logan wollte ihr dabei helfen, diese zu verlieren, doch er konnte sie nicht finden. Seine kleine Krankenschwester war wie vom Erdboden verschluckt. Auch bei den Grabsteinen war niemand. Selbst ihr Zimmer war verlassen. Alles war so ruhig und Logan wurde unruhig. Er hatte dem Professor versprochen auf Lucy aufzupassen und nun hatte er ihn nicht nur enttäuscht, sondern ganz einfach versagt. Wenn der Kleinen etwas zustoßen würde, hätte er sich das niemals verzeihen können. Er lief also weiter durch das Gebäude und ahnte nicht, dass die Kleine unter ihm war. Sie hatte nicht gewusst, wo sie hätte hingehen sollen. Dann musste sie an ihren Vater denken und saß nun in dem Raum, in den er sich immer zurückzog. Cerebro, davon hatte er ihr schon viel erzählt. Zunächst war es nur ein Traum, doch dann wurde er wahr. Lucy sah die Maschine nun zum ersten Mal und sie wirkte wenig eindrucksvoll. Der riesige runde Raum hatte nichts Beruhigendes an sich, sondern wirkte eher bedrohlich und machte Lucy Angst. Aber ihr machte schon so vieles andere Angst, dass eine Sache mehr oder weniger keinen Unterschied mehr machte. Sie konnte nicht immer nur davon laufen. Das machte sie krank und so sehr sie es sich auch wünschte, sie hatte nicht mehr die Kraft dazu. Sie würde sich schon irgendwie eingewöhnen, sie war nicht mehr allein. Lucy glaubte daran, die Vergangenheit vergessen zu können, bis diese Stimmer wieder da war…
Rogue lag ihrem Bett, doch sie konnte nicht schlafen. Immer wieder musste sie an Lucy denken und ihre seltsame Art. Dieses Mädchen war nicht anders als sie selbst und doch gab es so viel, das zwischen ihnen stand. Die Beiden hätten niemals Freundinnen werden können, dafür war die Blondine einfach zu stur. Aber war das überhaupt die Wahrheit? Rogue dachte darüber nach, ob nicht vielmehr sie diejenige war, die alles kaputt machte. Sie wollte dies zwar nicht wahrhaben, aber sie kam nicht darum herum, es in Erwägung zu ziehen. Es gab also keine andere Lösung, als noch einmal aufzustehen. Rogue wollte sicher sein, alles getan zu haben. Sie hatte die Blicke ihres Freundes gesehen und wusste, dass er mit Max reden würde. Die Mutantin hatte schon zu viel hinter sich gebracht und würde es nicht schaffen einen ihrer Freunde zu verlieren. Sie musste also in den sauren Apfel beißen.
Der Flur war dunkel und kalt. Nirgendwo brannte ein Licht und alle schienen noch zu schlafen. Rogue schlich leise über den Flur, bis sie vor Lucys Zimmer stand. Die Tür war offen und der Raum selber leer. Rogue war verwirrt und hatte auf einmal Angst um Lucy, weshalb sie zu Max´ Zimmer rannte. Sie weckte ihren Kumpel, während Logan unten etwas hörte. Es waren leise Schritte auf dem Holzboden. Jemand schlich sich durch die Gänge der Schule und wollte nicht auffallen. Doch da war noch ein zweites Geräusch, wie das eines Hubschraubers in der Ferne. Logan wusste, dass etwas auf ihn zukam und das genau jetzt, wo er alleine mit den Schülern war.
++
„Hilf ihnen… sie kommen, sie greifen euch an… wir kommen… ich liebe dich…“, Lucy hörte die Stimme ihres Vaters in ihrem Kopf. Es machte ihr Angst, doch sie konnte nicht anders. Lucy achtete noch nicht einmal auf ihre Kopfschmerzen, sondern lief los, um Logan zu warnen. Als sie aber aus dem Aufzug stieg, stand dort ein in schwarz gekleideter Mann, der auf sie schoss…
++
Logan hörte ein Geräusch, es war seltsam. Er konnte es nicht beschreiben, doch dann sah er die Angreifer. Einer von ihnen wollte auf ihn schießen, doch Logans Eisenstangen wehrten die Betäubungspfeile schon im Flug ab. Dann ging der Mutant zum Angriff über…
Auf den anderen Stockwerken ahnten Strykers Männer nichts von dem Widerstand. Sie schalteten ein Kind nach dem anderen aus und ließen es bewusstlos liegen. Sie trafen jedoch nicht jedes Mal und wurden nur durch einen Fehler enttarnt. Ein Mädchen schrie auf, so laut, dass alle andere gewarnt wurden. Das Glas vibrierte und überall hielten sich Menschen und Mutanten die Ohren zu, bis die Kleine doch getroffen wurde. Doch nun waren alle wach. Alle wussten, dass eine Gefahr in ihrem Haus war. Bobby und die anderen älteren Schüler führten die Jüngeren zu einem geheimen Ausgang. Dorthin zog Rogue auch Max und fragte ihren Freund, ob er Lucy gesehen hatte. Bobby schüttelte den Kopf und hatte gar kein gutes Gefühl…
Die Hubschrauber kamen immer näher und immer mehr Soldaten stürmten das Gebäude. Logan kämpfte gegen sie und setzte seine Krallen als Waffen sein, bis er Lucy sah. Sie lag wie tot auf der Erde. Diese Kerle hatten auf sie geschossen und das machte ihn wütend. Logan rannte auf sie zu und achtete nicht darauf wie viele sich ihm in den Weg stellten. Er besiegte jeden von ihnen und lies sich nicht aufhalten. Er kam Lucy in seine Arme und trug sie in den Fahrstuhl, der sie beide ein Stockwerk höher brachte. Logans Blick viel auf die kleinen Pfeile in Lucys Hals. Sie war schwach, sie hatte sich nicht wehren können. Sie war nicht wie er. Doch er würde sie beschützen, dass versprach er ihr, auch wenn er wusste, dass sie ihn nicht hören konnte. Sie nur in seinen Armen zu halten beruhigte ihn etwas. Doch als er mit ihr den Aufzug wieder verließ, sah er Max und die anderen. Da die Gefahr immer größer wurde, sollte Max Lucy in Sicherheit bringen. Rogue, Bobby und John folgten ihm und hörten nur noch wie sich die Tür hinter ihnen schloss.
Logan wollte ihnen Zeit verschaffen und so viele der Soldaten erledigen wie er konnte. Aber da war jemand, der ihn aufhalten konnte. Jemand, der ihn offensichtlich kannte…
++
Professor Xavier wollte das Gefängnis von Eric Lehnsherr verlassen. Doch sein alter Freund wollte Antworten hören. Das war der Deal gewesen, ein Gespräch über Truth gegen Informationen. Er hatte seinen Teil der Abmachung gehalten und jetzt musste Charles seinen Part erfüllen. Er musste ihm sagen, was er über Truth wusste. Wo sie war? Wie es ihr ging? Eric wollte einfach alles wissen. Er musste es wissen. Anderenfalls würde er keine Möglichkeit haben seinen Plan in die Tat umzusetzen. Doch wusste Charles schon von alledem? Hatte Eric sich verraten? Nein, es war sein Geheimnis…
Er würde Charles dazu bringen die Wahrheit zu sagen, auch wenn er selbst Angst hatte…
++
William Stryker kannte Wolverine. Er kannte seine Vergangenheit. Die Wahrheit, an die Logan selbst sich nicht mehr erinnern konnte. Er hätte ihm alle Fragen beantworten können, das machte der Cornell ihm immer wieder klar. Logan hatte also die Aufgabe zu entscheiden, was ihm wichtiger war. Sollte er etwas über sich selbst herausfinden oder seinen jungen Freunden helfen? Der Mutant war auf einmal ratlos und wusste sich nicht zu helfen. Noch nie in seinem Leben stand er vor einer solchen Entscheidung. Es war merkwürdig, fast unerträglich. Die Zeit schien auf eine Art stillzustehen und doch lief sie weiter und zwar gehen ihn. Stryker war niemand, mit dem man Spiele spielte. Er war ein Mann, der das Spiel bestimmte. Alle Regeln wurden von ihm aufgestellt und er hätte Logan bestimmt nicht gehen lassen. Aber dann gab es da noch jemand anderen, jemand der Logan seine Entscheidung abnahm. Bobby und die anderen waren den Fluchtweg zurück zur Schule gelaufen und wollten Logan dort herausholen. Sie wollten ihm helfen, so wie er ihnen geholfen hatte. Der junge Mutant lies den ganzen Flur gefrieren und trennte Logan von Stryker mit einer Schicht aus Eis. Diese zeigte Logan, was er nun zu tun hatte und lief mit den Zurückgekehrten in den Keller. Von dort aus suchten sie einen Weg, um schnell verschwinden zu können. Sie stiegen in ein Auto ein und fuhren einfach los. Logan nahm seinen Fuß nicht mehr vom Gas. Sie mussten so schnell wie möglich weit weg kommen. Sie hatten keine Zeit um zurück zu sehen. Auch wenn sie nicht wussten, was ihr neues Ziel sein würde, so waren sie doch froh davon gekommen zu sein.
Max hielt Lucy fest in seinen Armen und hoffte, dass sie bald wieder aufwachen würde. Sie sah so blass aus, so schwach. Seine Lucy sah immer so fröhlich aus, sie hatte endlich wieder zu sich gefunden und nun das… Max hatte solche Angst sie zu verlieren und Rogue entging dies nicht. Sie legte ihre Hand auf seine Schulter, um ihm zu zeigen, dass sie für ihn da war. Max lächelte und auch Bobby war erleichtert, als er die Geste seiner Freundin sah. Diese schmuste sich dann an ihn und wollte einfach vergessen, was in der Schule passiert war. John konnte die Gefühlsduseligkeiten im Auto nicht ertragen. Doch Logan konnte sein Meckern nicht ertragen und warnte ihn davor noch einmal etwas zu sagen…
++
Charles Xavier mochte nicht gerne über die Vergangenheit reden. Er hatte so viel hinter sich gelassen. Er hatte die ganzen Geschichten mit Lydia und mit Rodney verdrängt. Die ganze Vergangenheit sollte hinter ihnen liegen. Er wollte mit seiner Tochter neu anfangen. Seine Kleine, die er immer so geliebt hat. Die kleine Lucy, welche die ganze Wahrheit kannte. Lucy, ja den Namen hatte seine Frau sich für ihr Mädchen gewünscht und er hatte ihr diesen letzen Wunsch erfüllt. Er selber nannte seine zwei Lieblinge aber immer anders. Er gab ihnen Namen… sie sollten so genannt werden wie sie wirklich waren.
Rodney war der Sonnenschein. Er hatte immer ein Lächeln auf den Lippen und schaffte es seine Schwester zum Lachen zu bringen. Er war immer Happy, ein kleiner Wildfang eben und damit ganz anders als seine Schwester. Lucy war immer die Ruhigere. Sie fühlte sich allein und wollte auch alleine sein. Immer wusste sie, dass dort etwas war. Sie wusste, dass ihre Vergangenheit einen Schatten trug. Und auch wenn sie nicht sagen konnte, was es war, so war es doch da. Sie kannte eine Wahrheit, sie war seine Kleine, seine Truth…
++
Während der Fahrt musste Logan immer wieder an Stryker denken. Hätte er lieber bleiben sollen? Hätte er auf Antworten warten sollen? War die getroffene Entscheidung wirklich die Richtige gewesen? Logan dachte lange darüber nach, bis er etwas hörte. Lucy kam langsam wieder zu sich. Als er ihrer Stimme lauschen konnte und hörte, dass es ihr gut ging, wusste er, dass er das Richtige getan hatte. Er verdrängte Stryker aus seinen Gedanken, während dieser sich in der Schule Zugang zu Cerebro verschaffte…
