Folge 12
Niemals aufgeben
Lucy schlief in dieser Nacht kaum. Sie wusste, dass ihr Onkel das Zelt noch einmal verlassen hatte. Nun war sie wieder ganz allein. Sie hörte Stimmen draußen… oder waren sie in ihrem Kopf? Sie konnte es nicht mehr erkennen. Sie war müde und erschöpft. Aber noch mehr schlafen wollte sie nicht. Lucy hielt das ewige Schwarz nicht mehr aus. Auch wenn der Teenagerin ihr Leben nicht gefiel, so musste sie jetzt damit klar kommen. Sie musste für ihren Vater so lange aushalten, wie es ging…er durfte nicht sterben… sie wollte nicht noch jemanden verlieren. Alleine würde sie nichts mehr am Leben erhalten. Auch Max und Logan würden sie nicht aufhalten können. Die Beiden hatten sich so fürsorglich um sie gekümmert oder dies zumindest gewollt, dass hatte sie gespürt. Es war so süß gewesen, aber unnötig. Keinen würde diese Sentimentalität weiter bringen. Auch wenn Max´ Gefühle damit verletzt wurden, sie durfte sich jetzt nicht ablenken lassen. Es ging nur noch um ihren Vater. Alles andere war mit einem Mal unwichtig und sie wollte keinen weiteren Gedanken verschwenden. In ein paar Stunden würde es losgehen… ihr Onkel und sie würden ihren Vater retten und dann gab es sicherlich irgendeine Lösung… aber jetzt schlafen? Nein, es war einfach unvorstellbar. Lucy wollte lieber darüber nachdenken, wie sie in den Staudamm gekommen war… Staudamm… sie hatte nicht gewusst, wo sie gewesen war… doch jetzt schien alles so klar. Stryker gehörte das Gelände, dass hatte ihr Onkel gesagt. Der Cornell hatte nur den Raum genutzt, der ihm zur Verfügung stand. Das Geheimnis war so nahe und für Lucy fast greifbar…
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Max und Bobby teilten sich eins der Zelte. Sie waren lange wach geblieben und hatten unabhängig voneinander über den Tag nachgedacht. Doch nun schlief Bobby, während Max eben dies nicht konnte. Er lag nur da und starrte auf die Decke des Zeltes. Der letzte Tag war ein Höllentrip für ihn gewesen. Immer wieder hätte er Lucy fast verloren. Ihr schien das ganze nicht wichtig zu sein, doch für ihn war es eine Qual. Noch jetzt, während er darüber nachdachte, starb ein Teil von ihm bei dem Gedanken sie zu verlieren. In seinen Augen sammelten sich die Tränen und rannen ihm einzeln über die Wangen. Er drehte sich zur Seite und flüsterte ihren Namen… Lucy… Sie war alles für ihn. Warum nur, wollte sie sich selber töten? War es seine Schuld gewesen? Hatte er sie mit seinem Geständnis überrumpelt? Er wollte sie nicht beunruhigen. Max wollte ihr nur die Wahrheit sagen. Lucy sollte wissen, dass sie die einzige für ihn war und dass er sie liebte von ganzem Herzen. Er würde alles für sie tun… sie musste es nur zulassen. Sie sollte nicht länger weglaufen müssen, sondern in seinen Armen einschlafen können. Er wollte sie beschützen. Ihr ihre Angst nehmen… sie sollte Leben… an seiner Seite… glücklich und geborgen… Lucy sollte alles vergessen können und ein neues Leben beginnen. Er war doch bereit alles für sie aufzugeben. Jedoch fragte er sich, ob seine beste Freundin ebenfalls bereit war diesen Schritt zu gehen?…
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Eine ganze Weile hatte er alleine da gesessen. Er wollte noch einmal über alles nachdenken. Doch es wurde alles nur noch schlimmer. Logan sah nur noch sie vor sich. Die kleine Krankenschwester, die ihn immer mit seinem richtigen Namen ansprach. Für alle war er immer nur Wolverine. Der Mutant mit den Eisenkrallen und dem Instinkt eines Wolfes… aber nicht für Lucy… für sie war er immer nur Logan gewesen. Einer unter vielen. Nichts Besonders mehr, sondern ein Teil von allem. Sie hatte ihm Mut gemacht, nur durch dieses kleine Wort… Logan… er hatte es nie bemerkt, aber es klang anders als alles andere. Immer so fröhlich und offen. Wie eine sanfte Berührung eines Liebenden… doch klang es wirklich so oder wünschte er sich dies in diesem Moment nur?… Logan war so durcheinander. Er kannte ihr Geheimnis… sie war die Tochter von Professor Xavier und niemand außer ihm konnte ahnen, was sie gerade durchmachen musste. Sie tat ihm so Leid… Logan wünschte sich, er könnte sie trösten. Einfach für sie da sein und sie in die Arme nehmen… Lucy sollte wissen, dass sie nun nicht alleine war. Er würde ihren Vater schon rausholen. Logan würde alles tun, nur damit er wieder ein Lächeln auf ihren Lippen sehen konnte… Sie sollte nicht noch einmal versuchen sich selbst zu töten… Tod… das Blut… die Verletzung…
Auf einmal schossen Logan tausend Fragen durch den Kopf. Warum hatte Lucy sich selbst töten wollen? War sie es vielleicht gar nichts selbst? Was waren das für Stimmen, die sie immer hörte? War das immer nur ihr Vater?… und wenn sie es denn wirklich selber getan hatte… dann stellte sich ihm noch eine letzte Frage… Wie?
Lange konnte Logan jedoch nicht darüber nachdenken. Denn die anderen Erwachsenen kamen zu ihm. Sie wollten über Stryker sprechen und über das, was er vorhatte. Dazu kamen ihnen die Unterlagen, die Mystique gestohlen hatte, sehr gelegen. Zu Fünft durchsuchten sie alles und gaben sich die größte Mühe, sich in sie Skizzen einzulesen. Sie mussten eine Lösung finden. Irgendeinen Ansatz, um Scott und dem Professor zu helfen. Sie konnten nicht zulassen, dass irgendwem etwas passierte. Die zwei Gefangenen brauchten ihre Hilfe und sie würden diese nicht im Stich lassen. Es galt nun alles in Erwägung zu ziehen. Nichts durfte übersehen werden. Denn schon der kleinste Fehler konnte den Tod für Scott und Charles Xavier bedeuten. Keiner von ihnen wollte dieses Risiko eingehen. Die letzten Tage hatten sie alle schon zu sehr mitgenommen und an ihren Nerven gezerrt. Das Glück musste doch irgendwann auch wieder auf ihrer Seite stehen. Genau das sollte es nun auch wieder tun, der Meinung war zumindest Storm. Sie waren schließlich die Guten in diesem Kampf, wenn man mal von Magneto absah: „Scott und der Professor zählen auf uns. Wir dürfen sie auf keinen Fall enttäuschen… also sollten wir auch mit offenen Karten spielen. Haben Sie uns vielleicht irgendwas zu sagen?“
Eric lächelte Ororo an. Er hatte sich schon gedacht, dass die X-Men ihm nicht vertrauen würden. Aber das war ihm egal. Er brauchte nur Truth auf seiner Seite. Nur sie musste ihm vertrauen, das war alles, was zählte. Charles würde sich zwar dagegen wehren, dass Lucy und Eric sich wieder so nahe standen… aber er war nicht hier. Er wusste von all dem nichts. Erics alter Freund wartete nur darauf gerettet zu werden. Genau dafür würde sich Magneto auch einsetzen und doch würden die X-Men seinen Plan dahinter nicht erkennen: „Stryker spielt mit den Gedanken der Mutanten. Er lässt sie das sehen, was er will… Ich wusste gar nicht, was er mit mir machte und habe ihm alles erzählt. Er weiß von Cerebro und er wird es benutzen mit Charles… gemeinsam werden sie alle Mutanten finden… und töten.“
„Niemals! Der Professor kämpft für das Überleben der Mutanten. Er würde niemals jemandem umbringen.“, Storm und Jean gaben Logan Recht, doch Mystique blieb auf der Seite von Magneto. Er wusste, dass sein alter Freund nur das Gute wollte und ein Vertreter des Friedens zwischen Menschen und Mutanten war… doch Stryker würde auch ihn überlisten: „Stryker war früher ein Militärwissenschaftler und er sieht nur das, was er selbst sehen will. Selbst seinen Sohn, der auch ein Mutant war, hielt er für eine Bedrohung… Er wird eine Möglichkeit gefunden haben, wie er Charles seinen Willen aufzwingen kann… William Stryker hat es ja auch geschafft das Metall Adamantium zu verflüssigen… Wolverines Krallen tragen seine Handschrift…“
Logan sah auf seine Hände herunter und wollte es nicht glauben. Er war also nur ein Versuchskaninchen gewesen. Stryker hatte ihn zu einem Mutanten gemacht. Früher war er also nur ein Mensch… er war frei von all diesen Sorgen… aber was war sein Leben dann? Nichts, es gab keine Erinnerungen und es sollte auch keine mehr geben. Logan wollte nicht mehr zurück, sondern nur noch nach vorne… Wieder kam ihm Lucy in den Kopf und er musste an ihre Gemeinsamkeiten denken. Sie hatten eine beide eine Vergangenheit und wollten nichts mehr von dieser wissen… neu anfangen… ein Wunsch und ein Ziel, dass Logan sich erfüllen würde und zwar mit Lucy zusammen. Gemeinsam würden sie es schaffen. Einfach ausbrechen und alles hinter sich lassen. Nach diesem Kampf würde er es in Angriff nehmen und versuchen, sie zu überzeugen. Wenn es allen gut ging und sie sich keine Sorgen mehr um ihren Vater machen musste. Dann würde es ihr schon besser gehen und sie wäre eher bereit zu einem neuen Leben. Ein Leben, dass Logan an ihrer Seite verbringen wollte… Er würde ihren Vater retten und mit Stryker abrechnen. Er war bereit zum Kampf. Jeder der dies ebenfalls von sich behaupten konnte, sollte ihm folgen. Storm und Jean hielten ihn jedoch zurück. Sie wollten erst genau wissen, wo der Professor und Scott genau auf dem Gelände sein könnten. Sie wollten sich ganz sicher sein, ehe sie in eine falsche Richtung gingen. Alles musste genau abgesprochen werden. Denn ansonsten brachten sie zu viele von ihnen in Gefahr. Ororo wollte aus diesem Grund auch, dass jemand bei den Teenagern blieb. Dies sah Eric jedoch ganz anders: „Diese Kinder sind so wie wir. Sie wollen kämpfen und sie können es. Also warum sollten wir sie zurücklassen.“
„Weil es viel zu gefährlich ist und sie sich nicht verteidigen können.“, Storm dachte in diesem Moment vor allem an Rogue und Lucy. Jean konnte sie hierbei gut verstehen, aber nicht Logan. Der Mutant war ebenfalls der Meinung, dass man es den Teenagern frei stellen sollte, ob sie gehen wollten oder nicht. Sie würden schon wissen, auf was sie zukäme. Mit diesen Worten verließ er die kleine Runde. Sollten sich die anderen noch die ganze Nacht mit der Frage herumschlagen, wo sie die Gefangen finden konnten. Er wollte und konnte das alles nicht mehr mit anhören. Der Mutant ging in die Richtung des Zeltlagers und sah noch Licht brennen. Rogue war noch wach und saß mit Kurt an einem kleinen Feuer zwischen den Zelten. Die Beiden hörten Logan erst gar nicht kommen. Doch als er sich zu ihnen setzte, waren sie auf irgendeine Weise erleichtert. Sie wollten wissen, was vor sich ging und was sie als nächstes tun würden. Während Logan noch schluckte, gab jemand anderes die Antwort: „Wir gehen zum Staudamm.“
Lucy war an sie heran getreten. Ihre Augen strahlten voller Zuversicht und Selbstsicherheit. Es ging hier um ihren Vater und sie würde alles für ihn tun. Sie konnte nicht länger auf die anderen warten. Ihr Blick fiel auf Logan, der die Kleine sofort verstand. Sie mussten jetzt aufbrechen und die Dunkelheit nutzen. Es hatte keinen Sinn noch länger zu warten. Sollten die anderen doch weiter schlafen oder diskutieren. Er war bereit und Lucy ebenfalls. Keiner würde sie jetzt noch aufhalten können. Doch dies wollte auch keiner. Rogue und Nightcrawler waren ebenfalls vom Boden aufgestanden und hatten nur noch eine Frage: „Wie kommen wir da rein?“
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Scott lag immer noch auf dem Boden in dieser Dunkelheit. Es war erdrückend. Er konnte nur hoffen, dass Storm und seine Freundin Jean einen Weg finden würden ihn hier rauszuholen… Jean… der Name seiner Freundin gab ihm Kraft und machte ihm Mut. Er liebte sie so sehr. Sie würde ihn hier rausholen. Er konnte auf sie zählen, aber hieß das nicht auch, dass sie sich in Gefahr brachte?… Auf der einen Seite hatte er Angst um sie, doch andererseits wusste er auch, dass sie stark war. Seine Jean… wenn das alles hier vorbei war, dann würde er sie niemals wieder alleine lassen. Scott wollte es endlich offiziell machen und seine Freundin fragen, ob sie ihn heiraten wolle. Ihr Leben sollte endlich in ruhigeren Bahnen verlaufen… Jean Summers… ein Traum der ihm Kraft gab und ihn kämpfen ließ… er würde sich hier nicht unterkriegen lassen. Hier und jetzt würde er nicht sterben.
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Max und Bobby wachten auf. Sie hatten ein Geräusch gehört. Keiner wusste, was es war. Doch schlafen ließ es sie nicht mehr. Sie wollten wissen, was da draußen vor sich ging. Aber ehe sie auch nur ihren Kopf aus dem Zelt stecken konnten, brannte plötzlich der Eingang. Bobby schrie auf und wollte, dass John aufhörte. Sein Kumpel lachte nur hämisch und forderte Bobby und Max auf zu ihm zu kommen. Bobby löschte also das Feuer mit einer Handbewegung. Erst dann kletterten er und Max durch die gefrorenen Flammen… Sie fanden es nicht lustig, dass er sie mitten in der Nacht geweckt hatte. Beide waren wütend und wollten eine Erklärung und nicht nur ein blödes Grinsen. John sah den Ärger seiner Freunde und kostete diesen genüsslich aus. Es war ihm schon klar gewesen, dass sie so reagieren würden. Doch wenn sie die Wahrheit wissen wollten, dann sollten sie ruhig noch ein wenig zappeln. Andererseits interessierte ihn selber, was vor sich ging: „Ich habe diesen Kurt ein wenig beobachtet und gesehen wie er sich mit Rogue unterhalten hat… Heute kann wohl niemand richtig schlafen…“
„Jetzt komm endlich zum Punkt, John. Es muss doch einen Grund geben, warum du uns mitten in der Nacht weckst… oder hast du das nur aus Spaß gemacht.“, Bobby funkelte John böse an und Max war nicht wesentlich besser gelaunt. Beide wollten eine Antwort hören, also sagte John ihnen, was er gesehen hatte: „Ich wollte euch nur sagen, dass die Beiden mit Logan und Lucy einfach abgehauen sind. Ich habe keine Ahnung warum… aber mich interessiert es schon, wo die alle hin sind…“
Nun hatte John die ungeteilte Aufmerksamkeit. Doch genießen konnte er diese nicht. Sie mussten den Ausreißern hinterher bevor sie diese verlieren. Also verließen die drei Jungs gemeinsam das Lager und rannten in die dunkle Nacht. Sie standen nicht still, sondern liefen immer weiter ohne eigentlich zu wissen wohin. Ihr Ziel war es nur, die anderen zu finden. Doch wie, wenn sie selbst nichts sehen konnten? Es war schon schwer genug einen eigenen Weg durch den Wald zu finden. Keiner von ihnen konnte hier wirklich etwas sehen. John versuchte zwar sich mit seinem Feuer weiterzuhelfen, aber die anderen Beiden hielten ihn zurück. Die Gefahr eines Waldbrandes war zu hoch. Dann wollten sie sich schon lieber verlaufen. Denn die älteren Mutanten hätten sie durch ihre Fähigkeiten schon irgendwie wieder gefunden… nur als Leichen würden sie diesen Wald nicht verlassen wollen.
Bobby dachte die ganze Zeit darüber nach, warum Rogue ihm nicht einfach gesagt hatte, dass sie aufbrechen. Sie war doch seine Freundin. Sie konnte ihm doch vertrauen. Wieso wollte sie das alles alleine durchstehen? Hatte Logan sie zur Eile angetrieben und die anderen einfach vergessen?… Es gab keinen wirklich guten Grund. Eigentlich gab es gar keinen Grund. Aber wenn sie die anderen gefunden hatten, dann mussten diese ihnen eine Erklärung geben. Eine die sie alle verstehen und nachvollziehen konnten.