Folge 15
Ein Suchen ohne Ende
Logan ging einfach immer weiter. Er suchte nach nichts mehr, sondern wartete darauf, gefunden zu werden. William Stryker kannte seine Vergangenheit und er würde seinen Mutanten finden. Schließlich hatte er Logan zu dem gemacht, was er heute war. Doch danken würde der Mutant dem Cornell dafür bestimmt nicht. Alle Dinge, die Stryker getan hatte, sollten im Verborgenen bleiben, denn Logan wollte sich an nichts mehr erinnern. Es war alles nicht mehr wichtig, sondern nur noch Mittel zum Zweck. Nur für Lucy… nur für sie und nur aus Liebe… ja, Max war auch auf der Suche nach ihr, doch konnte so ein Teenager sich gegen ihn oder die vielen Soldaten hier behaupten? Nein, sein Weg war effektiver, denn Logan würde sich nicht verlaufen. Er würde den einzigen Mann zur Rede stellen, der wusste, wo sich was in diesem Staudamm befand und warum. Denn es hatte doch einen Grund, warum man den Professor und dir Kinder hier festhielt?… doch waren die Kinder überhaupt hier, oder war das nur so eine Idee von Jean und Storm gewesen? Wollten die Beiden vielleicht nur eine Möglichkeit finden, gleich alle zu beschützen und hatten in Wahrheit keine Ahnung, wo die Kinder waren? Suchten Storm, John und Nightcrawler vergeblich nach etwas, dass sie nicht finden konnten?… Logan wusste es nicht und er musste diese Gedanken auch wieder loswerden und sich lieber auf Lucy konzentrieren. Sie war irgendwo hier… in einem dieser vielen Gänge, nur wo? Lebte sie noch?… ja, das musste sie, denn Logan wollte nicht die Frau verlieren, die er als erstes richtig lieben konnte. Bisher war er doch immer nur auf der Flucht vor sich selber gewesen und hatte niemanden an sich heran gelassen. Aber Lucy… seine kleine Krankenschwester mit dem großen Geheimnis… er liebte sie und er würde sie nicht aufgeben. Sie musste wissen, was er für sie empfand. Sie musste leben und eine Zukunft haben, egal ob mit ihm oder mit Max. In diesem Moment konnte Logan sich keine Eifersucht erlauben, auch wenn er innerlich wusste, dass sie etwas verband. Nur was? War es nur Freundschaft, oder teilte sie seine Gefühle? Liebt Lucy Max?… nein, jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt um darüber nachzudenken. Logan musste einen klaren Kopf behalten und durfte sich nicht ablenken lassen. Der Mutant konnte nur darauf hoffen, dass Stryker ihn bald finden würde. Je eher desto besser, damit Logan erfahren konnte, wo Lucy jetzt gerade war. Doch was würde er tun, wenn William Stryker wirklich vor ihm stand… der Cornell würde die Informationen bestimmt nicht freiwillig herausgeben, nur musste Logan das richtige Maß finden, sonst konnte er sich auch übernehmen und Stryker würde nie wieder etwas sagen… ihm selber konnte es ja egal sein, denn er wusste, dass dieser Mann gefährlich war. Doch Logan war auch klar, dass Lucy das niemals billigen würde. Sie war wie ihr Vater, sie wollte jedes Leben retten. Das hatte er selber erleben können, als es um Jason ging… sie war viel zu lieb und barmherzig für das, was um sie herum geschah. Lucy versuchte in allem das Gute zu sehen und gab allem und jedem eine Chance. Das war eine der Eigenschaften, die Logan so an ihr liebte. Doch genau das machte ihm jetzt auch Angst, bis zu dem Moment, als er um die Ecke bog…
Cornell William Stryker… endlich standen sie sich gegenüber und nur Strykers mutierte Assistentin war noch bei ihnen. Sie konnte die Spannung spüren, die zwischen den beiden Männern lagen. Doch es war nur unterschwellig, was ihr seltsam vorkam. Sie konnte sich nicht genau erklären, was sie eigentlich hier machte. Aber andererseits interessierte sie die Frage auch nicht besonders, vielmehr hörte sie nur auf Strykers Worte: „Es ist lange her, Wolverine… Aber Tiere kommen ja immer nach Hause, nicht wahr?“
„Wo ist Lucy, Stryker? Und was haben Sie mit dem Professor und den Kindern vor?“, Logan blieb noch ruhig stehen, aber er merkte, wie das Adrenalin durch seine Adern schoss. Er wollte Antworten und er würde sie auch bekommen…
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Jean und Scott waren nicht froh darüber mit Mystique gehen zu müssen, da sie nicht wussten, ob sie ihr wirklich vertrauen konnten. Sie konnte schließlich jede Gestalt annehmen und man wusste nie, wer sie gerade war. Doch was blieb Jean und ihrem Freund Scott anderes übrig? Sie mussten einfach alles tun, um den anderen zu helfen. Sie konnten nicht aufgeben, denn dieser blöde Kontrollraum musste ja irgendwo sein. Nur wie sollten sie verhindern, dass sie gesehen wurden? Es gab keinen Weg… sie konnten nicht unbemerkt bleiben und es wäre auch nicht klug gewesen, wenn Scott seinen Laserblick eingesetzt hätte, um die Kameras zu zerstören. Sie hätten sich dadurch nur noch auffälliger gemacht. Aber was dann… Jean überlegte ohne Ende und kam schließlich auch zu einer Idee. Sie wusste nicht, ob es funktionieren würde, aber sie musste es versuchen. Ihre Kraft hatte sie, um Gedanken zu lesen und Dinge bewegen zu können. Eigentlich zwei verschiedene Fähigkeiten, die sie beide nicht immer richtig kontrollieren konnte. Doch nun musste es einmal funktionieren, auch wenn es Scott Angst machen würde: „Ich bin Telepath, Scott… Wenn der Professor jeden finden kann, dann kann ich es vielleicht auch. Es bringt uns vielleicht nicht zum Kontrollraum, aber… Scott, wir könnten den Professor und die Kinder finden.“
„Jean, meinst du nicht, dass das viel zu gefährlich ist? Wenn etwas schief geht? – Liebling, ich kann dich nicht einmal ansehen ohne meine Brille und du willst Wände durchdringen? Schatz, das ist zu viel.“, trotz aller Bedenken ihres Freundes, wollte Jean nicht aufgeben. Sie schloss ihre Augen und dachte an die Kinder, die Tag für Tag durch die Schule gerannt waren oder in ihrem Unterricht gesessen haben. Alle waren sie Mutanten und doch war jeder anders und etwas ganz besonderes. Ihre Fähigkeiten machten sie nicht zu dem was sie waren, sondern das, was sie damit machten. Genau das gab Jean Mut und vor ihrem inneren Auge lief sie durch alle Gänge des Staudammes, bis sie vor der Tür stand… sie hörte die Stimmen der Kinder, die um Hilfe schrieen…
Jean riss ihre Augen aus Angst auf und Mystique sah sie fragend an. Scott merkte, dass die Ruhe nichts Gutes bedeuten konnte. Er wollte so gerne sehen, was die zwei Frauen beschäftigte. Aber seine Augen zu öffnen, wäre zu gefährlich gewesen. Oder war etwas anderes noch stärker gewesen als er?… Es war seltsam, aber er konnte es fühlen. Den Tropfen Wasser, der auf seine Stirn fiel und dann über sein linkes Auge nach unten rollte. Woher konnte das Wasser kommen? War dieser Gang undicht, oder war es seine Freundin gewesen? Egal was es auch war – es war zu gefährlich für sie hier zu bleiben. Scott tastete nach Jeans Arm und zog dann daran. Er wollte weiter, aber ohne die Hilfe seiner Freundin konnte und wollte er das nicht. Und auch wenn sie den Grund für seinen plötzlichen Aufbruch nicht kannte, so kam es ihr gelegen. Die Kinder brauchten ihre Hilfe und sie durften keinen Moment länger warten…
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Lucy rannen die Tränen über die Wangen. Sie fühlte sich so hilflos… und so allein… sie wollte doch immer nur eine richtige Familie haben und nun?… wenn ihr Vater sie nun auch verließ, dann war sie ganz allein. Doch was sollte sie dagegen tun? Sie konnte ihn nicht heilen, sie konnte nicht einmal sich selber helfen. Jason hörte nicht auf sie. Er hörte nicht damit auf, den Plan seines Vaters in die Tat umzusetzen. Lucy konnte so laut schreien und so lange um ein Ende bitten wie so wollte… es brachte gar nichts… weder Jason, noch ihr Vater konnten sie hören. Es war, als wären sie gar nicht mehr bei ihr, sondern weit weg in den dunkelsten Gedanken und erschreckenden Absichten… würde ihr Vater wirklich alle Mutanten töten? Würde er alles vernichten, für das er je gekämpft hatte? Würde er seine eigene Tochter töten? Truth… sein kleines Ein und Alles?… wenn sie doch nur heil hier herauskommen könnten. Lucy wollte auch nie wieder weglaufen, sondern immer bei ihrem Vater bleiben. Er durfte sie nur nicht alleine lassen. Er durfte nicht sterben… er musste durchhalten, aber hatte er noch so viel Zeit?
„Kleines, wir sind anders als andere, aber wir sind nicht die Bösen.
Wir können den Menschen helfen und allen, die so sind wie wir.
Ich habe dich lieb und ich glaube an dich Truth. Auch du hast eine
ganz besondere Fähigkeit… Du musst ihr nur Zeit geben. Es kommt
von ganz alleine… und wenn es soweit ist, dann darfst du keine Angst haben.“
Ja, sie durfte keine Angst haben. Sie musste auf das vertrauen, was sie konnte. Also schloss Lucy die Augen… es würde bestimmt wehtun, aber es ging nicht anders. Es musste geschehen… Lucy konnte nicht auf ihre Hände sehen, als sie versuchte sich ihre Handschuhe auszuziehen. Als sie es endlich geschafft hatte, brannte es wieder… aber es war anders… es war wie vor dem Haus von Bobbys Eltern… es sollte nur kurz wehtun und dann nie wieder, und auch jetzt musste sie einfach durch… ihre Augen blieben geschlossen als Eisenstangen aus ihren Händen fuhren, mit welchen sie ihre Fesseln zerschneiden konnte.
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Storm und Nightcrawler hatten nicht mit den anderen gerechnet, als diese plötzlich um die Ecke bogen. Jean hatte jedoch keine Zeit irgendetwas zu erklären, sondern ging einfach weiter. John konnte dieses Verhalten nicht ausstehen, aber was sollte er schon machen. Er war nur ein Anhängsel und die Erwachsenen würden ihn bestimmt nicht kämpfen lassen. Warum musste er auch mit nach den Kindern suchen? Ein Kampf wäre viel besser gewesen, als diese blöde Idee so unauffällig wie möglich vorzugehen. Doch seine Stimme zählte hier ja nicht. Er war ja eben nur ein Teenager. Doch war er derjenige, der ebenfalls die Wassertropfen auf seiner Haut spürte… Was es war, wollte er erst nicht glauben, denn es machte ihn nervös. Brach der Staudamm über ihnen zusammen und würde sie alle begraben? Wenn das der Fall wäre, dann müsste er hier raus und zwar schnell…
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Eric hielt es für keine gute Idee mit drei Kindern durch die unterirdischen Gänge zu laufen. Aber sie hatten nun einmal alle ein Ziel und das durften sie nicht aus den Augen verlieren, es würde sie nämlich zusammenhalten. Nur wie sollten die Jugendlichen und er Truth finden? Sie hatten keine Ahnung, ob sie überhaupt in die richtige Richtung gingen und liefen immer nur weiter. Gedanken an alte Zeiten und an die Mutanten, die ihnen wichtig waren, ließen sie weiter hoffen. Doch brachte es noch etwas oder würden sie bitterlich versagen? Sie hatten doch alle keinerlei Hinweise darauf, wo die anderen sein könnten… oder… da war etwas. Stimmen hallten durch die Gänge und sie kamen auf die vier Mutanten zu. Wie viele es waren wussten sie nicht? Auch was die Männer tun würden, wenn sie sich begegneten war unklar. Würde sie schießen oder hatten sie andere Waffen? Max, Bobby, Rogue und Eric konnten sich noch nicht einmal sicher sein, dass die Männer überhaupt Waffen trugen oder diese einfach nicht brauchten, da sie andere Fähigkeiten hatten…
Eric bog vorsichtig um die nächste Ecke. Er konnte ja nicht wissen, ob noch andere Mutanten hier herumschlichen. Er durfte niemanden angreifen, der wie sie war. Mutanten mussten doch zusammen halten und sich gegen die Menschen zur Wehr setzen. Sie waren nicht so viele, zumindest nicht heute… aber die Zeit würde kommen, daran glaubte Eric und dann würden die lächerlichen Menschen nichts mehr gegen sie unternehmen können. In dieser Zeit sollte Truth an seiner Seite kämpfen und nun musste er sein kleines Patenkind finden. Ihr durfte nichts passiert sein, denn dann würde ihn nichts mehr halten. Er würde sich an jedem rächen, der menschlich oder an dieser Sache beteiligt war. In vielen Fällen würde es zwar das gleiche sein, doch darüber wollte er nicht nachdenken. Erst einmal mussten Eric und die drei Jugendlichen Truth finden. Die in dem zweiten Cerebro lag und zitterte. Die Fesseln waren um sie herum zerstreut und eigentlich war sie frei. Doch es tat noch so weh… die Krallen hatte sie wieder eingefahren und strich sich über die Hände. Sie musste an Logan denken und verstand auf einmal, was er immer durchmachen musste. Diese Schmerzen, die einfach nicht aufhörten. Doch konnte sie jetzt nicht weinen, sondern musste stark sein. Langsam drückte sie sich vom Boden ab und versuchte aufzustehen. Sie war schwach, aber sie musste weitergehen. Sie konnte nicht einfach stehen bleiben, denn es gab kein Zurück mehr. Ihr Vater war dort und auch Jason. Sie musste nur auf sie zugehen und es aufhalten. Ihr Vater durfte nicht zu weit gehen… Jason musste es abbrechen oder Lucy würde ihn dazu zwingen…
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„Ich dachte, wenn du einmal wieder kommst… dann würdest du fragen, warum? Warum du so bist wie du bist?… und jetzt fragst du nur nach einem alten Mann und einem Mädchen? Wolverine, du hast dich verändert. Aber vielleicht hängt das auch damit zusammen… das du nicht mehr der einzige bist… Ich habe mir erlaubt, den Adamantium – Versuch zu wiederholen…“, Stryker sah zu seiner Assistentin hinüber und stellte Wolverine diese als Lady Deathstrike vor. Die schwarzhaarige Frau mit dem Latexkostüm wusste, dass ihr Moment nun gekommen war. Stryker hatte ihr den Auftrag erteilt diesen Mutanten zu töten und sie konnte keine Widerworte geben. Ihre Fingernägel wurden länger und hatten diesen Metallschimmer. Jeder Nagel eine scharfe Kralle, denen Wolverine ausweichen musste. Denn die Lady sprang ihn an und versuchte ihm zunächst das Gesicht zu zerkratzen. Doch seine Wunden schlossen sich von alleine und er wartete nicht lange bis zum Rückschlag… Stryker genoss das Schauspiel seiner Mutanten jedoch nicht, sondern lief davon. Er hatte das dumme Gefühl, dass sein Plan vielleicht doch noch schief gehen konnte und dann musste er hier weg sein. Denn er hatte nicht besonders viel Vertrauen in Lady Deathstrike. Sie war nur eine billige Kopie von Wolverine und würde von ihm besiegt werden, daran hatte der Cornell keinen Zweifel. Und er sollte Recht haben… Wolverine merkte schnell, dass seine Krallen stabiler waren als die seiner weiblichen Kopie. Er konnte es nicht leiden, wenn man ihm im Weg stand und genau das tat sie. Er wollte sie gar nicht umbringen, aber falls sie ihm keine andere Wahl ließ, würde er nicht zurückschrecken…
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Jason konnte sie nicht von hinten sehen kommen. Er war viel zu vertieft in seine Gedanken. Aber er konnte ihre Hände auf seinen Wangen spüren, als sie ihn damit berührte. Er sollte endlich aufhören. Er sollte ihren Vater in Ruhe lassen. Lucy spürte Jasons Angst, aber sie ließ nicht los. Er zitterte am ganzen Körper und schrie… Er wollte nicht sterben. Sie sollte es doch sein, die den letzten Atemzug machen würde. Aber nun drehte sie den Spieß einfach um. Sie quälte ihn mit einer Berührung und nun konnte auch Jason das spüren, was Rodney hat durchmachen müssen. Er brach unter dem Brennen auf seiner Haut zusammen und schnappte nach Luft. Doch jeder Atemzug ließ ihn den Tod noch stärker spüren…
Als er sich nicht mehr wehrte, ließ Lucy Jason los und ging zu ihrem Vater. Er sollte sie hören. Er musste aufhören. Aber er tat nichts… er hörte nichts… der Professor saß einfach nur da und sah in die Ferne… Lucy hatte Angst um ihn und wollte ihm auf keinen Fall wehtun… aber er musste aufhören… Lucy atmete noch einmal tief durch: „Es tut mir so Leid…“, dann legte sie ihre Hand auf die Hand des Professors…