Folge 2.03

Wieder zurück

203

Zuhause, ist es wirklich das was es verspricht zu sein, oder nur ein Schattenspiel der Illusionen, ein Traum in der Nacht, aus dem man aufschreckt und Angst davor hat, erneut die Augen zu schließen. Aus diesem Grund sitzt Lucy nun hellwach in ihrem Zimmer und starrt in die dunkle Nacht, wo sie frei sein könnte, wo es keine Heimat gibt, aber auch keine Enge, nur ein ewiges Verstecken. In der kleinen Stadt hatte sie für eine Zeit lang das Gefühl jemand anderes zu sein, kein Mutant, kein Verstoßener, kein Feind der Gesellschaft, sie konnte einfach sein, wie sie ist und versuchen glücklich zu sein. Aber war sie das je, oder könnte es jemals werden, war sie wirklich bereit alles hinter sich zu lassen…

„Versuch nicht meine Gedanken zu lesen, ich kenne sie selbst gut genug und muss dir nicht Rede und Antwort stehen… ich will allein sein…“, Lucy sieht noch immer aus dem Fenster, hinweg über das Schulgebäude in die Weite Fremde, während sich in dem Zimmer ein Rollstuhl auf sie zu bewegt, der aus der Dunkelheit in den kleinen Schein des Mondes fährt. Ihr Vater, Professor Charles Xavier, sieht die blonde junge Frau mit einem traurigen Blick an, denn er weiß, dass sie nicht mehr lange hier bleiben wird. Schon seit Wochen treibt es sie von diesem Ort fort und jeder Versuch, sie den anderen näher zu bringen und sie zu integrieren, entfernt seine Tochter von ihm, da sie sich enttäuscht fühlt – von den Menschen, von den Mutanten und von ihm…

„Ich will dir nicht weh tun, aber es tut mir weh, wenn ich dich so sehen muss… ich will dich nicht wieder verlieren…“, der Professor lässt erschöpft seinen Kopf sinken, und Lucy dreht sich zu ihm herum. Langsam klettert sie aus dem Bett und kniet sich vor ihren Vater auf den Boden. Mit Tränen in den Augen sieht sie von unten zu ihm hoch, denn es fällt ihr nicht leicht die nächsten Worte über ihre Lippen zu bringen. Ihr Herz schlägt schneller, als die Hand ihres Vaters sich auf ihre Schulter legt, keiner von ihnen muss noch etwas sagen und so schließen beide ihre Augen und wissen, was der nächste Tag ihnen bringen wird…

John beobachtet Bobby und Rogue, die in einem der Aufenthaltsräume sitzen und Daumen-Drücken spielen, was Iceman am liebsten ohne Handschuhe spielen würde, doch seiner Freundin ist dies zu gefährlich, denn sie will ihn nicht verletzen und versucht aus diesem Grund zuviel Haut zu verbergen wie möglich. John hält die Maßnahme natürlich für übertrieben und spielt lieber mit seinem Feuerzeug herum, von dem sich Bobby aber nicht wie so oft beirren lässt, sondern seine Augen ruhen auf Rogue. Als er sie hat gewinnen lassen, löst er seine Hand aus ihrem Griff und will ihr stattdessen eine Strähne aus dem Gesicht streichen. Er hat keine Angst vor ihr und ihrer Fähigkeit, sondern wünscht sich von Herzen sie zu küssen, doch sie dreht seinen Kopf von ihm weg und kann aus dem Augenwinkel Max sehen, der niedergeschlagen aus dem Bürozimmer des Professors kommt. Mit diesem wollte er endlich über Lucy sprechen, doch durch das Gespräch ist er nun noch verwirrter und würdigt keiner seiner Freunde eines Blickes. Fassungslos lässt er sich auf einen Stuhl sinken und kämpft scheinbar mit sich selbst, was Rogue und Bobby ebenfalls mitnimmt, da sie nicht wissen, wie sie ihm helfen sollen. Beide stehen bei ihm und versuchen auf ihn einzureden, und ihn dazu zu bewegen irgendetwas zu sagen, doch stattdessen beginnt Max zu zittern. In ihm selbst bricht eine ganze Welt zusammen und er kann nichts dagegen tun. Wie soll er Lucy halten, wenn sie gar nicht ehrlich zu ihm ist, sondern ihm in den letzten Tag eine heile Welt vorgespielt hat. Sie ist einsam, sie wird immer depressiver und der Professor weiß das alles, er weiß, was sie fühlt, er kennt sie besser als alle anderen. Max wünscht sich, er besäße die Fähigkeiten des Schulleiters und könnte Lucy helfen, er könnte für sie da sein, könnte ihr zeigen, dass sie niemals allein ist, weil er immer bei ihr sein wird, sie immer lieben wird. Aber sie lässt es nicht zu, sie will gehen, ihren Weg allein fortsetzen…

„Warum tut sie das?… Warum weiß er so viel über sie?… Wieso redet sie nicht mit mir?…“, Bobby und Rogue können sich nicht erklären, was Max ihnen sagen will und so machen sich die beiden Mutanten nur noch mehr Sorgen um ihn, anders als John, der den Raum auf einmal verlässt und ins Foyer geht, wo er sich auf die unterste Treppenstufe setzt und Lucy damit den Weg versperrt. Sie ist natürlich nicht davon begeistert, doch es gelingt ihr auch nicht, Pyro davon zu überzeugen, aufzustehen.

„Kann es sein, dass Max deinetwegen so durchgeknallt ist?… es ist… na ja, also ich finde es seltsam, dass ein so großer Junge auf einmal anfängt zu heulen… Hast du wenigstens Schuldgefühle – Lucy?“, John dreht sich zu der blonden Mutantin um und sieht ihr direkt in die Augen. Als er keine Reaktion darin sieht, steht er auf und geht auf sie zu, damit sie auch seine Augen genau sehen kann, die ihr Angst machen. Denn John ist nicht wütend auf Lucy oder verachtet sie, nein… er genießt es, dass einer seine Freunde leidet und er will nur den Grund wissen, um selbst etwas in der Hand zu haben, mit dem er Max verletzen kann. Lucy spielt dieses Spiel allerdings nicht mit und so drängt sie sich an John vorbei und sieht ihm noch ein letztes Mal in die Augen: „Du bist abscheulich, John und du wirst nie wissen, was wirklich gut für dich ist… du wirst dich noch selber zerstören bei dem Versuch anderen etwas anzutun… du solltest überlegen wo du hin gehörst, nicht darüber nachdenken wo du sein könnest…“

Zielsicher und ohne noch einmal nach Max zu sehen, geht Lucy auf die Tür zu, die in ihre Freiheit führen wird. Nur ein Schritt nach draußen wird sie einem neuen Leben näher bringen und aus dieser Gefangenschaft befreien; sie wird durchatmen können, sie wird das Leben spüren können… nur die Tür steht noch zwischen ihr und dem Neuanfang wie eine Grenze, ein Hindernis, dass ihr in den Weg gestellt worden ist, das sich jedoch von alleine in Luft auflöst und sich öffnet, aber nicht so, dass sie hinaus gehen könnte…

LOGAN – auf einmal schritt er durch die Eingangstür und warf ihr ein Lächeln zu, der kleinen Krankenschwester, die er nicht vergessen hatte. Nur ist sie nicht bereit dafür ihn wieder zu sehen und erst recht nicht davon begeistert, dass nun Rogue angelaufen kommt, um Logan zu begrüßen. Sie stehen zwischen ihr und der geschlossenen Tür, die auf einmal unerreichbar scheint. Rogue bemerkt Lucys geschlagene Mimik und geht auf sie zu, um zu erfahren, was mit ihr los ist, doch Lucy will keine Fragen gestellt bekommen und dreht sich lieber um, damit sie mit Max reden kann. Er wird ihr keine Fragen stellen, er wird es einfach akzeptieren, auch wenn es ihm schwer fällt, er wird sie zum gegebenen Zeitpunkt gehen lassen und bis dahin muss sie für ihn da sein und nicht einfach ohne ein Wort verschwinden, das war sie ihm nach langer Freundschaft schuldig… aber woher der Sinneswandel, sie wollte doch einfach gehen, damit er ihr nicht folgen würde… nur Logan, ja, er hat sie durch einander gebracht, er ist gegangen und wieder gekommen, als gäbe es dort draußen hinter der Tür keine Freiheit mehr, als wäre Lucys Traum eine Seifenblase, die zerplatzt ist, als er durch die Tür gekommen ist…

Bobby ist hin und her gerissen, als Rogue auf einmal gegangen ist, denn einerseits wollte er ihr folgen, doch andererseits braucht Max jemanden, der bei ihm bleibt. Doch immer wieder sieht Iceman zu der offenen Tür hinüber und erwartet, dass Rogue in jedem Moment wieder zu ihnen kommen wird, doch dem ist nicht so; stattdessen ist es Lucy, die sich zu den Jungs gesellt und Bobby bittet, sie mit Max alleine zu lassen…

In der Eingangshalle erzählt Rogue Wolverine, was in der vergangenen Zeit passiert ist, in der er fort war und wird dabei von Storm unterbrochen, die den Heimgekehrten ebenfalls begrüßt und ihm mit einem Grinsen verrät, dass sie froh über seine Rückkehr ist, denn so kann er den Babysitter spielen: „Der Professor will, dass Scott, Jean und ich mit ihm nach Hinweisen auf diesen Mutanten suchen, der den Präsidenten angegriffen haben… und jetzt da du wieder da bist, müssen wir uns ja keine Sorgen machen, dass den Kindern in unserer Abwesenheit etwas passieren könnte, nicht wahr?“

Wolverine ist nicht gerade begeistert, doch als Jean auftaucht und Storms Aussage bestätigt, ist er überstimmt und muss sich dem Willen der beiden Frauen fügen…

Lucy setzt sich auf einen Stuhl neben Max und nimmt dann eine seiner Hände, damit er bemerkt, dass sie auch wirklich da ist. Doch auch danach sitzt er noch immer teilnahmslos neben ihr und bringt kein Wort heraus. Ihn so zu sehen macht Lucy unendlich traurig und die Mutantin macht sich Sorgen und auch Vorwürfe, weshalb sie Kopf genauso hängen lässt wie Max, bis dieser auf einmal wieder mit ihr spricht: „Wann willst du gehen oder warst du schon auf dem Weg?… denn schließlich hast du schon wieder deine Handschuhe an und auch sonst scheint zu eher… warum hast du nicht einfach mit mir gesprochen? Wieso weiß Professor Xavier mehr über dich als ich? Lucy… ich will nicht, dass du gehst…“

Lucy nickt, doch beantwortet das keine von Max´ Fragen, wozu sie auch nicht im Stande ist, denn wie soll sie ihm verständlich machen, dass sie selbst nicht weiß, was sie eigentlich will. Sie kann nicht versuchen ihm Hoffnungen zu machen, denn damit wäre sie ihm gegenüber nur noch unehrlicher und ein wahrer Feigling, der ein einziges falsches Spiel spielt. Sie kann nicht versprechen hier zu bleiben, sie kann nicht erzählen, was zwischen ihr und ihrem Vater geschehen ist… doch ihr Schweigen verletzt Max nur noch mehr und als er den Schmerz in seinem Herzen nicht mehr aushält, steht er einfach auf und geht, ohne ein weiteres Wort, ohne sich noch einmal zu ihr umzudrehen… er lässt sie einfach allein, so wie sie es haben wollte, nur, dass sie es jetzt nicht mehr will… als ihre Hand aus seiner gleitet, kommen Lucy die Tränen und diese lassen auch nicht nach, als Logan in das Zimmer kommt. Er setzt sich auf Max´ Stuhl und nimmt Lucys Hände, bevor er sich doch dazu entscheidet die Blondine in die Arme zu nehmen.

In der Zwischenzeit liest Eric Lehnsherr in seinem Gefängnis ein Buch, wobei er allerdings von einem der Wächter unterbrochen wird, der William Stryker in seine Zelle führt. Beide überrumpeln Magneto von hinten und Stryker spritzt dem Mutanten eine durchsichtige Flüssigkeit auf den Hals, wo sie sehr schnell in die Haut einzieht und den auf einmal zerbrechlichen Mann viele Jahre älter wirken lässt. Schwächer und gebrochen lässt der Wärter ihn mit dem Cornell alleine, der mit Magneto über Xavier und dessen Schule für Mutanten reden will, sowie über das Projekt Cerebro…

Eine ganze Weile weint Lucy in Logans Armen, bis sie sich endlich von ihm löst und gehen will, einfach alles hinter sich lassen, den Ort verlassen, der ihr in so vielen Jahren so viel Kummer bereitet hat, doch Logan verhindert dies. Er hält Lucys Arm fest und zieht sie zu sich: „Du willst gehen, oder? Du wolltest schon eben gehen, als ich gekommen bin… Kleine, da draußen ist nichts, ich habe selbst nach etwas gesucht, etwas, das nicht gefunden werden kann, weil es nicht existiert… dort draußen gibt es weder eine Gegenwart noch eine Zukunft für jemanden wie uns…“

Logan erinnert sich an Lucys Worte, als er gegangen ist und erinnert sie daran, dass sie hier leben wollte und diesen Gedanken sollte sie auch festhalten; er verspricht ihr dabei zu helfen, denn sie haben etwas gemeinsam und das wird ihnen zeigen, dass sie nicht alleine sind. Lucy nickt und weiß, dass ihr Vater an der Tür des Raumes steht und alles gehört hat, was Logan zu seiner Tochter gesagt hat und er ist glücklich, dass seine Lucy ihm und der Schule noch mal eine Chance gibt, nur darf er sie dieses mal nicht wieder vermasseln, sondern muss alles dafür tun, dass seine Tochter sich wohl fühlt, ohne sie jedoch einzuengen. Sie muss ihren Weg alleine finden, sonst werden sie für immer voneinander getrennt und aus diesem Grund darf auch nicht er versuchen, ihr einen Platz geben, sondern sie muss ihn unter all den anderen selber suchen, um endlich glücklich zu werden… an diesen Gedanken lässt er seine Tochter teilhaben, die sich aus Logans Umarmung löst und ihrem Vater nachläuft, der schon wieder in sein Büro gerollt ist, wo sie ihm eine Frage stellt: „Kann Rogue mir helfen?“

 Fortsetzung folgt… 

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