Folge 3.01

Folge 1 (24)

        Hilf mir verstehen

        Help me understand

 

 

Rachel stand mit ihrem schwarzen Koffer und ihren großen braunen Ledertasche im Regen von New York. Was hatte sie bloß hierher verschlagen?… Ja, ihre Testmodenschau. – Hinter ihr stand noch der zweite Koffer, indem befanden sich ihre selbst entworfenen Klamotten. Rachel seufzte und fischte in der großen Tasche nach ihrem Handy. Warum hielten in New York eigentlich nie die Taxen, wenn man eines brauchte?

Nach einer Weile hielt sie ihr Handy in der Hand und wählte die Nummer von John. Hoffentlich ist er Zuhause, dachte sie und ging auf der Stelle.

„Ja?“ Rachel hörte seine Stimme. Sein räuspern wie er es immer am Anfang tat und dann dieses nette fragende Ja. Sie lächelte, als ihr nach einer Weile bewusst wurde das John sich aufregte, weil sich keiner meldete. „Tschuldige, ich bins.“

Sie konnte John’s grinsen förmlich spüren, auch wenn er auf der anderen Seite des Landes war. „Bist du schon in deinem Hotel?“

Rachel lachte auf. „Schön wäre es. Es regnet in Strömen und kein Taxi hält.“

„Ach Schatz, frag doch einen netten Mann, der hilft dir sicher.“ Rachel schmunzelte. In der Tat, da stand ein Mann, der selber etwas verloren schien.

„Wie geht es den anderen?“

„Super, Rachel du kommts doch in 3 Tagen wieder. Hier wird nichts passieren wenn du einmal weg bist.“

„Ja ja in Ordnung. Ich besorg mir jetzt ein Taxi.“ Dann legte sie auf. Sollte sie den jungen Mann ansprechen oder nicht? Er schien selber nicht zu wissen was er wollte und dennoch hatte sie das Gefühl, er könnte ihr helfen. Nur wie sollte sie zu ihm gelangen? Sie konnte keinen ihrer Koffer hier stehen lassen. Die Sachen darin brauchte sie für morgen, wenn einer weg wäre, dann könnte sie gleich nach Hause fahren. Also versuchte sie mit beiden Koffern etwas weiter auf die Straße zugehen und ein Taxi anzuhalten, doch diese fuhren nur brausend um sie herum. So langsam wurde Rachel wütend. Das konnte doch einfach nicht war sein. New York war wirklich eine ätzende Stadt. Rachel stampfte mit einem Fuß auf und wollte wieder umdrehen als plötzlich dieses Auto auf sie zukam…

 

+++

 

Logan hatte nicht glauben können, dass seine kleine Krankenschwester wirklich weglaufen würde… aber als er in die Schule zurückgekehrt war, war sie nicht mehr dort. Die Kleine schien wie vom Erdboden verschluckt zu sein und nun wollte er nur noch eins – sie finden. Aber wo sollte er nur anfangen? Er war in New York und hier konnte jeder überall sein…

Lauter Menschen, die einfach vorbeiliefen… nur diese eine Frau nicht. Sie stand da mit Koffern bepackt und wollte wohl in eines der Taxen steigen, doch niemand hielt für sie. Sie ging sogar noch weiter auf die Straße und merkte nicht den Wagen hinter sich… Logan lief nur auf sie zu und riss sie weg, während ihre Koffer durch die Luft flogen und die Kleider sich auf der Straße verteilten. Logan interessierte dies jedoch reichlich wenig. Er wollte der jungen Frau nur dabei helfen aufzustehen, als sie auch schon anfing, ihn anzuschreien und in Panik auf die Straße rennen zu wollen. Doch Logan hielt ihr linkes Handgelenk fest und machte es ihr unmöglich weiterzugehen: „Sie sollten mir danken, dass ihnen nichts passiert ist, anstatt über diese Fetzen zu weinen.“

+++

 

Rachel blickte den Mann entsetzt an. Hatte wirklich Fetzen gesagt? Sie war nun wirklich wütend. „Sind Sie bescheuert?“, schrie sie dann und rannte weiter auf die Straße um wenigstens noch das rote Kleid retten zu können. Doch der Mann hielt sie auf: „Jetzt lassen Sie mich doch endlich los.“

Rachel zerrte an seiner Hand, doch sie bemerkte schnell, dass er nicht loslassen würde. Also musste sie zusehen wie ein riesiger Lastwagen über ihr Meisterwerk raste. Rachel konnte es nicht fassen. Es war gelaufen. Alles war gelaufen, nur weil keines der Taxen halten wollte und weil dieser Kerl sie unbedingt retten musste. „Tschuldige.“, sagte sie dann leise, „Sie haben mein Leben gerettet.“

Nun lächelte sie der Mann an und sagte das er doch nicht der rede Wert sei. Rachel nickte und nahm den leeren Koffer und stellte ihn auf den Bürgersteig. New York war schon etwas für sich und plötzlich musste sie lachen. Ja, lachen. Es war wirklich zu dumm. Sie hatte eine einmalige Chance und was passierte ihr? Natürlich sah der Mann sie fragend an. Wer lacht auch schon wenn er fast gestorben wäre?

„Ach, die Fetzen das waren meine selbst designten Klamotten und die sollte ich morgen bei einer Testmodenschau vorführen…“ Nun musste sie weinen. Das war alles zuviel. Sie hatte in den letzten Monaten zuviel erlebt und nun ihre große Chance verspielt und nun spürte sie die beruhigende Hand des Mannes auf ihrem Rücken…

 

Logan konnte nicht sehen, wie die junge Frau weinte. Was sollte er denn jetzt machen? Er hatte keine Zeit, hier ruhig bei ihr sitzen zu bleiben, während Lucy irgendwo da draußen war. Nein, er musste nach seinem Mädchen suchen und dieses hier zurücklassen. Aber nicht hier… nachher macht sie wieder einen dummen Versuch eines der Taxen zu bekommen. Er sollte sie lieber selbst in eines setzen. Doch er musste vorsichtig sein… seine Kräfte durfte er nicht so offen einsetzen, sonst würde man noch auf ihn losgehen. Die Menschen hatten eben immer noch kein Vertrauen zu ihnen und dieses Mädchen würde auch nichts verstehen. Sie würde Angst haben, wenn er seine Krallen ausfuhr. Also musste er sich etwas anderes überlegen und ging langsam zur Straße…

Die Autos fuhren schnell und nun schien die junge Frau ihm helfen zu wollen. Sie wollte ihn von der Straße ziehen und er ließ es zu, damit sie selber von der Straße ging: „Wollen Sie sich jetzt umbringen? Sie haben doch gesehen, was mir ohne Sie passiert wäre… Mister?… Geht es Ihnen gut?“

„Mein Name ist Logan und ja, es geht mir gut. Ich wollte Ihnen gerade ein Taxi besorgen, aber wenn sie nicht wollen, dann lass ich es. Ich habe sowieso etwas Besseres zu tun, als mich um sie zu kümmern.“, Logan riss seinen Arm los und wollte gehen.

 

Rachel verstand die Welt nicht mehr. Warum waren alle hier nur immer so unfreundlich?

„Na bitte da gehen Sie doch.“, sagte sie und drehte sich um: „Ich gehe liebe zu Fuß, als mir von Ihnen ein Taxi besorgen zulassen.“

Logan zuckte nur mit den Schultern und lief weiter. Sollte sie doch machen was sie wollte, dachte er sich und ging weiter um Lucy zu suchen, während Rachel ihren Koffer in einen großen Mülleimer warf. Was sollte sie noch mit dem leeren Ding? Sie würde jetzt einfach zu Fuß zudem Hotel laufen und dann müsste sie bei Rogue Vogue anrufen und sagen das sie nicht teilnehmen könnte. Rachel sah sich noch einmal um, doch der Mann namens Logan war spurlos verschwunden.

„Na gut, dann eben nicht.“, sagte sie zu sich und lief los. Ihr war so ziemlich alles egal. Es regnete noch immer und ihr war kalt. Sie wollte einfach nur in dieses dumme Hotel und dann eine heiße Dusche. Gott, sie hatte sich noch nie so sehr nach einer heißen Dusche gesehnt, aber noch mehr sehnte sie sich nach John. Er würde ihr jetzt helfen. Er hätte jetzt beschützend seinen Arm um sie gelegt und er hätte sicher auch ein Taxi für sie gefunden. New York war wirklich eine ätzende Stadt.

Als sie dann gefühlte 10 Stunden später im Hotel ankam, war Rachel total durchnässt und die Dame an der Rezeption sah sie schief an.

„Ich brauche ganz dringen ein Zimmer.“, sagte Rachel genervt und wring sich ihre Haare aus.

„Rachel Turner.“, sagte sie dann, nachdem die Dame sie noch immer schräg ansah. Nun nickte sie und gab ihr einen Schlüssel. Die Menschen hier waren wirklich komisch. Rachel schleifte ihren Koffer hinter sich her und lag wenige Minuten später in dem weichen Hotelbett. Einen guten Drink – den konnte sie nun wirklich gebrauchen….

 

+++

 

Lucy ging durch eine dieser vielen Seitenstraßen von New York. Dunkel und Menschenleer… nur ein paar Penner saßen hier und da und hatten sich in ihre Zeitungen eingewickelt… sie war nicht besser als sie… allein und ohne jemanden, der sich um sie kümmerte. Dabei hätte sie das alles haben können… sie hatte zwei Männer, die sie liebten und doch war sie weggelaufen. Auf der Flucht vor dem Schmerz und den vielen Fragen darüber, was zwischen Charles, ihr und Strykers Sohn vorgefallen war. Schließlich war sie die einzige Überlebende und sie wusste, was alle dachten… sie war die Mörderin, sie hatte ihren eigenen Vater getötet… so wie sie damals ihren Bruder getötet hatte. Eine Berührung und alles war vorbei gewesen… sie wusste nicht einmal, was überhaupt passierte…

Aber jetzt würden die Handschuhe jeden schützen… sie waren wie eine zweite Haut für Lucy… das wärmste und liebste, was sie noch hatte… das einzige, was sie noch hatte…

Denn sie konnte nicht einfach zugehen und sich ihr altes Leben zurückholen, auch wenn das Logans und Maxs Wunsch gewesen wäre… sie spürte, dass zumindest einer von ihnen nach ihr suchte und das konnte nichts Gutes bedeuten. Sie musste weiter… aber… ihr Bauch grummelte und sie taumelte leicht. Sie musste irgendwo etwas zu sich nehmen. – Also schloss sie ihre Augen und suchte nach einem Ort, der weit genug weg war von Logan und Max und der warm war…

 

Als Lucy ihre Augen wieder öffnete stand sie wieder in einer Seitenstraße, die noch enger war als die Letzte… aber sie hörte Stimmen und Schritte auf den Plastersteinen. Langsam ging sie auf das Ende der Gasse zu und stand direkt neben einem Hotel. Nach einem Blick in ihre Tasche bevorzugte sie dann aber doch den Imbissladen auf der anderen Seite bis…

 

Rachel kam gerade die Treppe runter und wollte etwas in der Bar trinken gehen, als sie den Auflauf vor der Tür sah. Sie wollte selbst nachsehen gehen, was passiert war, als ihr eine blonde junge Frau entgegen kam und nur den Kopf schüttelte und leise zu sich selbst sprach: „Da draußen ist doch gar nichts passiert. Was glauben die denn, was sie zu sehen bekommen?“

Lucy ging nun doch in die Hotelbar, denn nach der kleinen Schwächeattacke brauchte sie etwas, dass sie wieder auf die Beine brachte.

 

+++

 

Rachel blickte der Frau verwundert nach und sah dann wieder zudem Menschenauflauf, der sich nun langsam auflöste. Es war wirklich nichts passiert. Rachel zuckte mit dem Schultern. Sie brauchte jetzt ein schönes Glas Whisky oder sonst irgendwas, was sie all das vergessen lassen würde. Sie brauchte jemanden zum Reden. Jemanden den sie nicht kannte und nie wieder sehen würde. Rachel ging langsam in die Hotelbar und sah sich um. Der einzige freie Platz war neben der blonden junge Frau, die mit sich selbst gesprochen hatte. Rachel setzte sich nach einigen Überlegungen neben sie und bestellte sich einen Extra großes Glas Whisky. Die Frau sah sie etwas komisch an, als sie das Glas in einem Zug hinunter kippte.

„Ihr New Yorker seit echt komisch.“, sagte Rachel dann und bestellte ein weiteres Glas Whisky.

„Mag sein.“, sagte die Frau still und spielte an dem Schirmchen ihres Drinks.

„Schlechter Tag?“ Die Frau nickte. Dann streckte Rachel ihr die Hand entgegen: „Ich bin Rachel und mein Tag war ebenso beschissen.“

Nun blitzte ein kleines Lächeln über das Gesicht der Frau.

„Ich bin Lucy.“, sagte sie dann und nahm Rachels Hand entgegen. Rachel fand das Lucy eine sehr nette Person war und warum sollte sie ihr nicht erzählen was ihr heute widerfahren war: „Ich komme eigentlich aus Newport.“

„Und was machst du dann hier?“

„Ich hatte eigentlich morgen eine Testmodenschau, aber wie das Leben so spielt…“

Nach einer Weile sah Lucy Rachel fragend an und fragte: „Und weiter?“

„Ich habe kein Taxi bekommen, wäre fast überfahren worden, bei dem Versuch mich zuretten hat dieser Typ meine Koffer kaputt gemacht und ein Lastwagen ist über ein Meisterstück gefahren – nun kann ich meine Modenschau vergessen – wenn ich es noch deutlicher machen soll mein ganze Karriere.“

Lucy sah die Kalifornierin verwundert an – wegen so etwas konnte man seine ganze Karriere vergessen?

„Na ja, wenigsten sah dieser Logan ganz gut aus…“, schweifte dann Rachel von ihren Gedanken ab. Gott hatte sie das gerade Laut gesagt?! Sie hatte doch einen Freund den sie liebte. Oh man das war heute einfach alles zuviel gewesen…aber er sah wirklich nicht schlecht aus…

„Logan?!“, platzte Lucy heraus und war so platt wie noch nie. Suchte er doch nach ihr??

Sie hatte zwar geahnt, dass er dort draußen war… aber es wirklich glauben? Hier draußen war es doch genauso gefährlich für ihn wie für sie. Wenn man sie entdecken würde, dann hätten sie keine Chance… nicht ohne jemanden zurückzulassen…

Lucy versuchte ihren Gesichtsausdruck zu verändern, denn sie merkte, dass Rachel sie ansah… doch warum? Nur weil sie nachdenken wollte und Logan kannte? Hatte Rachel vielleicht doch mehr erfahren, als sie zugab? Wusste sie vielleicht von Logans Fähigkeiten und damit auch von ihren? Wusste sie, dass sie alle Mutanten waren?… Nein, das wusste sie nicht… Ihre Gedanken zeigten Lucy nichts dergleichen… diese Rachel dachte nur an ihre Klamotten und an einen Mann namens John… und sie fragte sich, was mit Lucy los war…

„Mir geht es gut. Sieh mich bitte nicht so an… hör auf, bitte.“, Lucy drehte sich von Rachel weg, aber ihre Gedanken wurden immer lauter und lauter. Sie dröhnten in Lucys Kopf und sie hielt diesen fest… es sollte aufhören, sie wollte einfach nichts mehr hören… es sollte wieder leise werden… ruhig und entspannt…

Warum nur hatte sie ihre Fähigkeiten nie unter Kontrolle? Warum musste sie direkt explodieren und jeden Moment zu einem Desaster machen… Ihr Leben hätte doch so schön sein können. Ihre Fähigkeiten fielen doch fast nicht auf, schon gar nicht, wenn man sie nur ansah. Und genau das tat Rachel doch… sie sah Lucy nur an und dafür hatte Lucy sie angeschrieen und noch mehr verwirrt. Jetzt aber tat es der Mutantin Leid und sie drehte sich wieder zu der jungen Frau um: „Tut mir Leid, Rachel. Meine Kopfschmerzen nehmen mich zur Zeit stark in Anspruch… bei mir ist eben auch nicht alles gut verlaufen in der letzten Zeit… und diesen Logan kenne ich auch.“

Warum erzählte sie das der Fremden überhaupt? Sie redete doch sonst mit niemandem, also warum ausgerechnet jetzt, wo Logan vielleicht noch hier auftauchen könnte?

 

Rachel lächelte: „Ist er dein Freund?“

Lucy drehte ihren Kopf weg. Die Frau hatte nerven.

„Sorry, ich wollte nichts falsches sagen…“, versuchte Rachel ihren Stich ins schwarze zuretten, doch es schien wohl verkorkster zu sein, als ihr ganzes Leben. Aber konnte das sein? Wer hatte schon eine Mutter die weggelaufen war und dann nach 10 Jahren wiederkommt, sich in dein Leben einmischt. Wer hatte schon mal etwas mit einem Mörder? Na ja gut zudem Zeitpunkt war Jack nicht der Jack der er jetzt war, aber trotzdem…. Rachel bemerkte wie Lucy sie interessiert ansah. Konnte sie etwa Gedanken lesen? Auf einmal schrak diese zurück und stand abrupt auf. Rachel war etwas mulmig zumute: „Lucy?“

Doch diese rannte schon mit schnellen Schritten auf die Damentoilette. Rachel runzelte die Stirn. New York war wirklich mit lauter komischen Leuten besetzt, aber irgendwie zwang es sie nach ihr zusehen, denn sie sah nicht gut aus. Also stand Rachel auf und ging auf die Damentoilette.

„Lucy?“ Rachel hörte ein leises Schniefen. Es kam aus der letzten Kabine: „Es tut mir Leid wenn ich etwas falsches gesagt habe.“

„Nein, nein das hast du nicht…“, Lucy atmete tief ein.

„Nur gedacht.“, flüsterte sie dann zu sich selbst.

„Hast du etwas gesagt?“ Rachel klopfte an die Tür und nach einigen Minuten öffnete Lucy die Kabine. Rachel konnte nicht anders und nahm sie in den Arm…

Lucy schubste sie aber von sich: „Tu das nie wieder!… Ich meine… hast du dir weg getan?“

Die Mutantin sah Rachel verwirrt an… sie schien das Feuer auf ihrer Haut nicht gespürt zu haben. Aber konnte das sein? Konnte es Momente geben, in denen Lucy einmal niemanden in Gefahr brachte?… oder lag es daran, dass sie sich auf eine Weise verstanden fühlte von Rachel?… die junge Frau kannte zwar ihre Probleme nicht, aber sie plagte sich mit ihren eigenen herum und sie lebte irgendwie damit. Sie war sogar freundlich und wollte Lucy scheinbar helfen… so wie alle es zwar immer wieder sagten, aber wer außer ihrem Vater hatte es denn schon je getan?…

„Ich weiß, du verstehst es nicht, aber… normalerweise tu ich allen immer nur weh. Du bist die Erste, die mich einmal in die Arme nimmt und die scheinbar keine Angst vor mir hat… sonst haben doch alle immer nur Angst vor mir oder verlieben sich in mich, so ein Blödsinn. – Ich meine, Logan und ich… wir sind kein Pärchen, aber… ach, ich weiß auch nicht…“, Lucy drehte sich um und hielt sich am Waschbecken fest, als sie Rachels Hand auf ihrer Schulter spürte: „Das Leben ist nie einfach und die Männer sind es sowieso nicht,“

Rachel musste lachen, aber Lucy merkte, dass sie noch etwas anderes fühlte. Sie wollte Lucys Worten nicht glauben. Sie sollte so ein netter Mensch jemandem denn wehtun? Nein, das kam ihr bestimmt nur so vor. Sie brauchte wahrscheinlich nur jemanden, der sie mal richtig aufbaute. Sie brauchte Freunde, so wie Rachel sie hatte… aber in New York… klar, da gehen alle immer nur an dir vorbei…

„Nein, tun sie nicht. Es kommt nur immer darauf an, wo man gerade ist… oh, nein…“, Lucy bereute ihre Worte direkt, denn nun war Rachel komplett verwirrt.

Rachel wich einen Schritt zurück – hatte sie gerade etwa wieder laut gedacht? „Nein, nein das hast du nicht.“, hörte sie leise. „Bist du eine Gedankenleserin oder was?“, entgegnete ihr dann Rachel. Lucy dachte einige Momente nach. Wenn sie die Wahrheit sagen würde, dann würde wahrscheinlich Rachel austicken, aber Gedankenleserin stimmte ja auch in etwa, also nickte sie und sah wie Rachel erleichtert ausatmete. „Ich… ich dachte schon du wärst so eine Art Monster oder so – na ja ich habe einfach zu viele schlechte Filme gesehen, die in New York spielten. Hast du alles gehört was ich gedacht habe?“ Lucy nickte erneut und dieses mal atmete Rachel nicht erleichtert aus sondern schlug sich mit der Hand auf die Stirn. Da hatte jemand all ihre verwegenen Gedanken hören können. Das war wirklich Peinlich… „Das muss dir nicht peinlich sein. Ich behalte das für mich und ich denke wir werden uns sowieso nicht wieder sehen…“ Warum war sie auf einmal so offen? Sie kannte diese Person seit einer Stunde und sprach mit ihr über die Dinge mit denen sie noch nicht einmal mit ihrem Vater sprechen konnte. Das war wirklich abwegig. Rachel lies sich kaltes Wasser über ihr Handgelenk laufen. „Du hast Recht, aber kommen wir mal lieber zu Logan…“ „Mit dem ist nichts.“ „Er ist also nur in dich verliebt?“ Rachel grinste Lucy frech an und bemerkte das ihr es nicht einfach fiel das zuzugeben, aber dennoch nickte sie. „Ja, er ist es und Max – mein bester Freund.“ „Ohh.“, Rachel runzelte die Stirn. Wenn sich der beste Freund in einen verliebt, ist das wirklich schrecklich. Sie wusste es von Melissa und Steve – ach mist. Rachel lächelte Lucy verlegen an. „Hörst du immer die Gedanken von anderen Menschen oder kannst du es auch abstellen?“ Lucy schüttelte den Kopf. „Es kommt wann es will.“ „Ich verstehe.“, sagte sie nickend. Das war wie bei Tante Becky, sie hatte immer Visionen gehabt und die kamen auch immer wann sie wollten. Doch sie war schon lange tot. „Das tut mir leid.“, wisperte Lucy. „Das ist okay. Lass uns wieder an die Bar gehen.“ Lucy nickte und die beiden Frauen gingen in Richtung Bar, als sie drei Männer sahen und keine von ihnen wollte sie sehen…

 

+++

 

Max hatte es in der Schule nicht mehr ausgehalten. Alles hatte ihn an Lucy erinnert und seine Freunde Rogue und Bobby waren keine große Hilfe. Sie wollten es zwar, aber was sollten sie Max schon sagen? Sie wussten doch, dass er Lucy liebte und irgendwann nach ihr suchen würde. Er würde Logan schließlich nicht kampflos gewinnen lassen. Es ging hier um seine Lucy und das würde er diesem Mutanten schon zeigen. Er musste nur an Storm und Scott vorbeikommen und dabei hatte Bobby ihm geholfen. Er hatte die beiden neuen Schulleiter aufgehalten… auch wenn er dafür Ärger bekommen würde…

Max konnte daran in diesem Moment aber nicht denken, denn er jetzt stand er da…

 

Max war durch die Straßen von New York gegangen und dann von diesem Mann angesprochen worden, der nicht älter sein konnte als er selbst. Steve… ja, so hatte er Max angesprochen und ihn wohl mit einem Freund verwechselt. Max hatte diesen Irrtum versucht aufzuklären, aber dieser Josh zog ihn bereits mit sich zu irgendeiner Rachel… und dann war da dieses Hotel und Logan…

 

„Du wirst noch bereuen, dass du ohne mich aufgebrochen bist.“, Max fuhr Logan an, doch der schupste den Jungen nur von sich weg: „Meinst du, ich habe Angst vor dir? Kleiner, du bist aufgeschmissen hier draußen. Hier hat keiner ein Auge auf dich. Du bist allen egal und mir auch. – Also verschwinde Max, denn ich habe hier etwas zu erledigen.“

Josh stand zwischen Max und Logan und verstand kein Wort. Aber Max´ große Ähnlichkeit zu Steve ließ Josh eher mit ihm sympathisieren, als mit diesem Logan… er stellte sich also auf die Seite von Max und drückte Logan mit dem Kopf auf den Tisch, um ihm etwas ins Ohr zu flüstern: „Du solltest aufpassen, dass du nicht zu weit gehst… auf dich passt nämlich auch keiner auf…“

„Lass ihn los!“, Lucy ging auf Josh zu und war wütend. Dieser Kerl glaubte doch wirklich, sich in ihre Angelegenheiten einmischen zu können. Ja, er glaubte sogar, dass er das Richtige tat. Aber jemanden grundlos anzugreifen, kann nie richtig sein…

 

Rachel zerrte Lucy von Josh und Logan und schleifte sie wieder mit auf die Damentoilette. Lucy wollte aber wieder zurück um nach Logan zusehen. „Jetzt warte erst mal.“, sagte Rachel und versuchte ihre Gedanken zu ordnen. Was wollte dieser Idiot nur hier?“ Lucy kochte vor Wut und das spürte Rachel. „Also, ich denke die beiden erwarten eine Entscheidung von dir.“, fing Rachel an und das machte alles nur noch schlimmer. „Ich habe mich aber noch nicht entschieden! Verdammt jetzt prügeln die sich in der Bar.“ „Dann fliegen sie gleich alle drei raus.“, meinte Rachel unberührt und sah aus dem kleinen runden Fenster. Josh schlug gerade Logan mit der Faust ins Gesicht, doch dieser stand sofort wieder auf und warf Josh auf einen Tisch der zerbrach, dann kamen 3 Polizisten herein, die die drei auseinander wühlten und rausbrachten. „Sie sind weg.“ Lucy sah aus dem Fenster. Sie waren tatsächlich weg. „Wer ist dieser Josh?“ Rachel zögerte. Das musste gleich wirklich komisch klingen. „Ja, also ich kenne ihm vom College und naja wir hatten mal einen One Night Stand.“ Lucy sah Rachel unglaubwürdig an. Das hatte sie bei ihr nun wirklich nicht vermutet. „Ich war betrunken…ändert das deine Meinung über mich?“ „Ich gehe jetzt besser.“, sagte Lucy und verließ die Toilette. Rachel stand einige Momente noch regungslos da und rannte dann los. Sie rannte aus dem Hotel und sah in die Menge. Sie war weg und mit ihr jemand mit dem sie reden konnte. Dann tippte ihr jemand auf die Schulter…

Josh? Aber… was wollte er denn überhaupt hier? Sie hatten sich schon seit Monaten nicht mehr gesehen und jetzt stand er auf einmal vor ihr mit einem blauen Augen und einer verletzten Hand: „Du siehst gut aus, Rachel. – Wie geht es dir denn?“

„Du hast Nerven, was? Was sollte das da drinnen? Ich meine, du kannst doch nicht einfach irgendwelche Leute zusammen schlagen, was hat Logan dir denn getan?“, Rachel grüßte Josh nicht einmal, sondern forderte eine Antwort von ihm, die er ihr aber schuldig blieb: „Oh, danke. Ein einfaches, Hallo, es geht mir gut, hat wohl nicht gereicht. Jetzt nimmst du den Kerl auch noch in Schutz… glaubst du, dass fällt mir immer so einfach? Dich hier zu sehen, macht mir nicht gerade Spaß… es sei denn… gibt es diesen John immer noch?“

„Natürlich gibt es ihn noch und wir sind glücklich zusammen… auch wenn es mir Leid tut, was damals zwischen uns passiert ist. Ich wollte dir bestimmt nicht wehtun… aber…“, Rachel wirkte nun ruhiger, aber innerlich fühlte sie sich zerrissen. Warum musste dieser Tag auch so erbärmlich für sie laufen? „Aber? Rachel das hast du getan und das wirst du immer tun…“ Josh drehte sich weg. Gott was war das für ein Tag. „Weißt du Josh, wir sollten es dabei belassen. Wir werden keine Freunde und auch nicht mehr. Du hattest deine Chance bei mir und diese hast du verspielt. Ich fliege heute noch zurück.“ Damit kehrte sie ihm den Rücken zu – für immer.

 

Eine Stunde später stand Rachel mit nur noch einem Koffer und ihrer braunen Ledertasche auf dem Airpot und wartete darauf das ihr Flug aufgerufen wurde. Es war wirklich ein schlimmer Tag gewesen und ihr größter Traum war geplatzt, doch in 6 Stunden würde sie wieder in den Armen von John liegen und das war es wonach sie sich sehnte, als ihr heute zum dritten mal jemand auf die Schulter tippte. Rachel drehte sich genervt um. Sie dachte Josh würde wieder hinter ihr stehen, doch es war Lucy. „Ich wollte dir Auf Wiedersehen sagen.“ Rachel lächelte. „Darf ich dich jetzt in den Arm nehmen?“ Lucy nickte und die beiden schlossen sich in ihre Arme und nichts passierte, außer das Lucy eine Wärme spürte, die aber nichts mit ihrer Kraft zutun hatte, sondern viel mehr mit Liebe und Geborgenheit…

 

 

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