Folge 3.06

Folge 6 (29)

        Stimmen

        Voices

 

 

Lucy saß auf dem Bett in dem kleinen Doppelzimmer und wartete auf Logan. Er war schon aufgestanden und irgendwohin verschwunden. Erst dachte Lucy ihr Freund wollte alleine nach John suchen, doch dann hörte sie irgendwo Wasser und beruhigte sich wieder. Sie musste jetzt einfach warten und schloss noch einmal ihre Augen. Sie wollte wissen, was John gerade machte, denn bevor er noch einen Menschen töten konnte, musste ihn jemand aufhalten. Seine Gedanken sagten Lucy aber nichts Auffälliges, nur das, was sie schon vorher hatte in ihm lesen können. Seinen Hass und seine Wut auf die Menschen, seine Familie und auf Lucy… dabei wusste die Mutantin nicht einmal warum er so wütend auf sie war. Sie hatte diesem Jungen doch nie etwas getan. Sie hatte immer nur dagesessen und nichts gesagt. Sie war wie unsichtbar gewesen und wollte alleine sein… aber er musste dieses Verhalten anders gedeutet haben…

„Lucy? Ist alles in Ordnung mit dir?“, Logan zog sich gerade sein Hemd über und setzte sich dann zu seiner Freundin, die ganz schön verwirrt aussah. Sie musste wieder über irgendetwas nachgedacht haben, was sie ihm verschwieg. Er wollte deshalb auch gerne mit ihr reden, aber er wusste auch, dass sie ihm wieder nur ausweichen würde. Also stand er auf und nahm ihre Jacke vom Stuhl, die er ihr um die Schultern legte und sie dann festhielt: „Ich bin für dich da, Kleines… also wenn du doch etwas erzählen willst… und wenn nicht… es ist beides nicht schlimm. Ich will dich nur einfach niemals verlieren.“

„Ich weiß… es ist nur… John… er… er hasst mich und ich habe keine Ahnung warum.“, Lucy streichelt mit ihrer Hand über Logans Arm. Er spürte durch den Handschuh ihre kleinen Streicheleinheiten und konnte sich nicht vorstellen wie jemand sie nicht lieben konnte…

 

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Frühstücken wollten die acht Mutanten an diesem Morgen nicht. Sie hatten schließlich keine Zeit zu verschenken und brachen sofort auf. Mystique, Bobby und Max hielten sich an Kurt fest und Rogue, Eric und Logan an Lucy. Dann verschwanden sie alle und standen mitten in New York City. Alles um sie herum war hektisch und schlug so schnell wie ein Puls in Rage. Nichts stand hier still und damit hätten sie eigentlich auffallen müssen, da sie eben nicht im Pulk mitliefen. Doch da in New York eh keiner auf den anderen achtete, fielen die Mutanten doch keinem auf und suchten sich in den kleinen dunkleren Nebenstraßen ihren Weg auf der Suche nach dem verlorenen John…

 

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John stand vor einem Neubau einer Reihensiedlung. Nichts sah so aus wie damals, als er noch mit seinen Eltern hier wohnte. Man hatte das ganze Haus abgerissen und neu gebaut und selbst die vom Ruß schwarz gefärbten Wände der Nachbarhäuser erstrahlten in neuem Glanz. Das Unglück war einfach wegretuschiert worden, so als wäre es nie passiert. Aber John kannte die Wahrheit… er wusste, was er getan hatte und er war stolz darauf. Er war seine Eltern losgeworden. Diese Missgeburten, die nicht erkannt hatten, was ihr Sohn für eine Besonderheit war – ein Auserwählter. Jemand der eine Aufgabe hatte und nun war es Zeit diese auch zu erfüllen…

Er würde hier, wo alles begonnen hatte, wieder beginnen und die Straße und alle Menschen in Schutt und Asche legen… und niemand würde ihn aufhalten können, da war John sich sicher.

 

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Es ist seltsam… so als würde ich ihn kennen… so als wäre er jemand, der… aber das kann nicht sein… ich habe ihn noch nie gesehen… ich habe noch… du…

Lucy schreckte auf und wusste nicht, was gerade passiert war. Sie hatte nur John finden wollen und dann war da diese andere Stimme in ihrem Kopf. Es schien ein Mann zu sein… aber warum hatte sie ihn auf einmal gehört? Wurden ihre Fähigkeiten schon wieder größer? Aber das konnte doch nicht sein… es sollte nicht sein, nein, es durfte sogar nicht sein. Sie hielt das doch jetzt schon nicht mehr aus. Immer diese Kopfschmerzen… dieses Brennen… dieses Feuer… John…

„Ich weiß, wo er ist. Aber wir müssen uns beeilen, sonst…“, Lucy wollte nicht darüber nachdenken, was John noch alles tun würde. Seine innere Einstellung und auch diese seltsamen Stimmen, das alles machte ihr Angst und sie wusste nicht recht, was sie jetzt tun sollte. Was würden sie überhaupt tun, wenn sie John gefunden hatten? Sie konnten ihn doch nicht umbringen… sie wären dann nicht besser als er und dabei wollten sie doch nicht so enden. Aber jetzt rannte Max in einem Bruchteil einer Sekunde zu der Reihensiedlung und Kurt und Lucy brachten alle anderen ebenfalls dorthin. Hier zu dem Ort, wo alles viel ruhiger war und so viel unberührter… aber da war noch dieses Knistern…

 

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Plötzlich knallte es im Rücken der Mutanten. Ein Haus stand in Flammen und durch den Rauch verdunkelte sich der Himmel. Logan und Eric wussten sofort, dass sie schnell handeln mussten. In all den Häusern konnten Menschen sein und deshalb übernahm Logan die Führung: „Max, du rennst in die Häuser und holst die Menschen raus. Kurt wird dir dabei helfen. – Bobby, du löschst das Feuer. Lucy, du suchst nach John, aber nur durch Gedanken. Du läufst hier nicht weg. – Eric, wir sehen uns hier um und Mystique, du nimmst eine menschliche Gestalt an und bringst die Leute von hier weg… ach ja, und Rogue, du bleibst bei Lucy.“

Alle taten das, was Logan gesagt hatte und einer nach dem anderen verschwanden sie. Bis nur noch Lucy und Rogue übrig waren. Sie sahen sich kurz an und dann schloss Lucy ihre Augen. Sie horchte in sich hinein und vergaß das Feuer um sich herum, als… dreh dich um, dreh dich um und sieh mich… dreh dich um und stirb…

Lucy hörte einen Schrei und drehte sich erschrocken um. Mit weit aufgerissenen Augen sah sie John an, der sie finster anlächelte und dann seinen Arm hob, um Lucy zu verbrennen…

 

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Logan und Eric hatten den Schrei gehört und liefen zurück. Sie mussten wissen, was passiert war und dann das… Lucy und Rogue lagen beide am Boden und um sie herum brannte alles. Selbst die beiden Mutanten waren nicht verschont geblieben. Logan wollte auch sofort zu ihnen laufen, aber Eric hielt ihn zurück: „Du verbrennst gleich mit. Die Kinder müssen da alleine raus.“

„Ich verbrenne nicht. Das Adamantium in meinem Körper beschützt mich vor dieser Hitze und deshalb geh ich da jetzt rein.“, Logan riss sich von Eric los und rannte in das Feuer. Er packte sich seine zwei Mädchen und holte sie raus, als auch schon Bobby und die anderen Mutanten auftauchten. Bobby fror das Feuer ein und Max schlug das Eis kaputt. Dann sahen alle nur gebannt auf Lucy und Rogue, die nicht atmeten…

 

„Oh, haben die beiden Süßen es nicht überlebt?… das tut mir jetzt aber Leid oder… nein, eigentlich nicht. Das haben sie doch verdient. Das habt ihr alle verdient.“, John lächelte seine alten Freunde an und hob dann seine Hände. Er wollte sie hier und jetzt alle verbrennen, aber dann stellte sich Bobby ihm entgegen: „Du glaubst doch nicht, dass du damit durchkommen wirst. Du hast Lucy verletzt und Rogue… das wirst du bereuen.“

Bobby streckte seine Hand aus und aus seinen Fingern kam das kalte Eis, das sich um Johns Körper schloss und ihn in eine Eisskulptur verwandelte. Als die anderen Mutanten das sahen, wussten sie nicht, was sie sagen sollten. Sie waren zwar froh, dass John nun nichts mehr tun konnte, aber hatte Bobby damit einen Mord begangen? Immerhin war Johns Gabe doch das Feuer und das Eis würde diese eindämmen…

 

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Die acht Mutanten hatten keine Ahnung, dass sie zur gleichen Zeit beobachtet wurden. An einem der Fenster von den Häusern, die John noch nicht in Brand gesteckt hatte, stand ein Farbiger. Er sah auf die Gruppe hinunter und hatte alles gesehen. Mutanten… er hatte schon in John eine Besonderheit erkannt und nun waren sie alle hier. Neue Mutanten, mit denen er nicht gerechnet hatte, doch er war froh, dass sie hier waren. Er ging zur Wand hinüber und schaute auf einige Photos: „Jetzt werde ich bekommen, was ich will…“

 

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Lucy und Rogue ließen sich von ihren Freunden hoch helfen und sahen die Eisfigur an. Sie fragten sich, ob John darunter noch leben würde. Lucy wollte sogar näher gehen, aber Logan hielt sie zurück: „Wir sollten uns was überleben und zwar schnell. Wir werden sonst alle hier gefunden und festgenommen.“

„Kann ich ihnen helfen?… Keine Angst, ich weiß, dass sie Mutanten sind und ich tu ihnen nichts. Mein Name ist Hank und ich bin selbst ein Mutant… und ich könnte ihnen helfen…“, Hank sah in die Runde der anderen Mutanten, die ihn alle skeptisch ansahen. Sie wussten nicht, ob sie diesem Hank vertrauen konnten und vor allem Logan hatte seine Probleme mit dem Kerl. Doch das lag wohl daran, dass er ja nie jemandem von einem auf den anderen Moment vertraute, sondern immer seine Zeit brauchte. Max war da aber anders und reichte Hank die Hand: „Wir freuen uns immer über jede Hilfe und jeden neuen Mitstreiter. Also…“

„Ich glaube, ich kann euch schon jetzt helfen. Den Feuerleger bring ich nämlich gleich mal weg von hier, damit er keinen Schaden mehr anstellen kann. Denn sein Eisumhang wird gleich schon anfangen zu tauen.“, Hank deutete auf John hin und nun stimmte ihm der Großteil der anderen Mutanten zu. Die dann zusahen wie Hank John umarmte und dann mit ihm in die Luft stieg, wo die Zwei am Himmel verschwanden…

 

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Nachdem Verschwinden des mysteriösen Mutanten fühlte Max sich besser, doch Logan und Eric waren sind nicht sicher, dass der Junge das Richtige getan hatte: „Wir kennen diesen Hank nicht. Er könnte sonst was mit John machen und damit wäre er nun der Feind… willst du das verantworten, Max?“

„Ich habe das Richtige getan. Wir müssen John nicht umbringen und haben einen Verbündeten mehr. Was soll daran den falsch sein?“, Max war sich seiner Sache sicher und wollte, dass wenigstens Bobby und Lucy auf seiner Seite waren. Aber Keiner der anderen konnte etwas Genaues sagen und so wollten sie einfach hier verschwinden und irgendwo was essen gehen. Denn sie waren alle erschöpft und hungrig. Außerdem mussten sie auch diesen Ort verlassen, bevor die Polizei sie hier finden würde und so ließen sie die Häuser hinter sich und brachen wieder auf. Doch was sollten sie jetzt tun?

Ja, Rogue und Lucy hatten nach jemandem suchen wollen, der wie sie war und dann hatte sie John gefunden. Einen alten Freund, einen Mutanten, der es sich zum Ziel gemacht hatte, die Menschen zu vernichten, ehe sie ihn vernichten. Rogue und Lucy wollten so aber nicht enden. Sie wollten leben und zwar ohne Angst und ohne die Gefahren, die überall da draußen lauerten… sie wollten ein neues Leben anfangen…

Wir sehen uns bald… ich bin bald da… du bist ich… und ich bin du… zwei Mutanten und doch eine Fähigkeit… ich weiß es… du weißt es… Truth… ich kenne deinen Namen… ich kenne dich… ich finde dich…

Lucy schüttelte ihren Kopf. Die Stimmen waren wieder da und dieses Mal lauter als beim letzten Mal. Wer immer auch mit ihr sprach, schien näher zu kommen und Lucy wusste nicht, was das bedeutete. Denn wer immer auch mit ihr sprach, war der, den sie suchte… ihr Gegenstück… der Mutant mit den gleichen Fähigkeiten wie sie selbst…

 

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Eric trank nur einen heißen Kaffee in dem brechend vollen Imbisslokal. Er mochte dieses Ambiente nicht, aber er war eben mit jungen Menschen unterwegs und die lieben wohl dieses Fast Food. Auch Kurt versuchte mit Lust in seinen Cheeseburger zu beißen, aber er hatte auch Angst, dass seine Verkleidung nicht ausreichen würde. Immerhin konnte er nicht all seine blaue Haut einfach überdecken. Nicht so wie Mystique, die sich einfach eine neue Gestalt zulegte und dann ihre Umgebung vergaß.

So wie Lucy, die nicht bei ihren Freunden saß, sondern am großen Fenster stand. Sie dachte nach, über das was passiert war und das, was sie gehört hatte, als sie merkte, dass Logan seine Hand in ihren Rücken legte: „Geht es dir gut?“

„Ich mache mir Sorgen. – Was ist, wenn wir auch so werden? Wenn wir auch so hassen?“, Logan starrte mit seiner Freundin in die Ferne und glaubte daran, dass sie gemeinsam niemals so enden würden: „Wir gehören zusammen und wir lieben uns… hassen wird uns niemand und wir werden niemanden hassen. Selbst John nicht, denn auch wenn ich nicht weiß wieso… irgendwo muss auch etwas Gutes in dem Jungen stecken und du weißt das… hab ich nicht Recht?“

Lucy nickte und ließ sich dann gegen Logans Brust sinken, während sie darüber nachdachte, wer ihr Gegenstück wohl sein könnte, wo er oder sie war und warum er so viel über sie wusste…

 

 

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