Folge 7 (30)
Was ist das?
What´s that?
Bobby und Max hatten einen Stadtplan besorgt und trafen ihre Freunde im Stadtpark. Von hier aus wollten sie ihre Suche starten, auch wenn sie sich noch nicht vorstellen konnten wie genau ihr Plan eigentlich aussah. Hatten sie überhaupt einen oder würden sie alles nur überstürzen und sich in etwas verrennen? Immerhin wussten sie doch gar nichts über Mutanten, die wie sie waren. Sie konnten es anderen doch nicht einmal ansehen, ob sie Mensch oder Mutant waren. Sie waren vollkommen planlos und ihren Freunden würde es nicht anders gehen. Nur Lucy nahm sich die Karte aus den Händen der Jungs und war zuversichtlich. Die Mutantin hatte sich etwas in den Kopf gesetzt und wollte keinen Schritt zurückgehen. Alles sollte nur noch nach vorne gehen und jeder sollte sehen können, dass sie sich geändert hatte. Sie wollte auf sich und ihre Fähigkeiten vertrauen und breitete die Karte aus: „Wenn Dad das konnte, dann kann ich es zumindest versuchen. … Also los…“
Lucy Xavier sah auf die Stadtkarte von New York und schloss ihre Augen, während ihre Freunde sie beobachteten. Vor allem Eric wollte alles genau sehen und schubste Kurt sogar zur Seite. Er wollte Lucys Fähigkeiten sehen und sich bestätigt fühlen, denn er hatte doch immer an sie geglaubt und nun würde es endlich so weit sein…
Kleine leuchtende Punkte entstanden über der Karte und schwebten über sie, wie Glühwürmchen. Rogue faszinierte dieses Lichtspiel und sie wollte es anfassen. Doch Bobby hielt ihre Hand zurück und auch Mystique versteckte ihre Befangenheit nicht: „Was ist das?… Hey, was ist das? Kann mir das mal irgendjemand sagen?“
„Das sind wir und das sind all die anderen.“, Logan beugte sich vor und zeigte auf verschiedene Lichter. Er hatte verstanden, was seine Freundin machte und war begeistert. Sie hatte das geschafft, was sonst nur Charles Xavier gelungen war – das Auffinden von Mutanten.
+++
Im Untergrund von New York versteckte sich der dunkelhäutige Mutant Seezer. Er saß in der Dunkelheit der Abwasserrohre und vegetierte vor sich hin. Oben hatte ihn ja niemand haben wollen und hier unten gab es genug für ihn zu sehen. Denn Seezers Augen konnten durch alles hindurch sehen und ihm die andere Seite zeigen. Ob es nun ein Ehestreit war oder spielende Kinder, Seezer sah bei allem zu. Er war wie das Monster im Schrank. Er war da und dann auch nicht, weil ihn niemand sehen konnte. Doch heute war etwas anderes… ein kleines Leuchten erfüllte seine Umgebung und er wusste nicht woher es kam. Erst dachte der Mutant an die Taschenlampe von den Arbeitern des Klärwerks, doch dieses Licht war kleiner und irgendwie… ach wie hieß diese Farbe… ja, orange… das war also keine Lampe nur fragte er sich dann: „Was ist das?“
+++
„Ich glaube, ich habe etwas gefunden… oder jemanden, je nachdem… es ist ein Mutant, aber was seine Fähigkeiten sind, das weiß ich nicht. Nur wo er ist… da ist es dunkel und es ist genau unter uns.“, Lucy ließ die kleinen Lichter verschwinden und sah dann in die Gesichter ihrer Freunde, ehe sie auf den Boden unter sich blickte…
+++
„Du meinst also, dass da ein Mutant ist, der genau unter uns ist? Er sitzt da in den Abwasserkanälen und wartet nur darauf, dass wir kommen? – Ganz ehrlich, Lucy? Das ist schon mehr als unglaubwürdig.“, Bobby schaute Lucy fragend an, doch Logan sagte, dass sie gar keine andere Wahl hatten. Lucy gab ihnen die einzige Spur und daran mussten sie nun festhalten. Rogue und Eric stimmten ihm zu und dann sahen sich Logan und Eric noch einmal die Karte an. Sie mussten irgendwo einen Ort finden, wo sie alle in die Kanäle einsteigen konnten und zwar ohne aufzufallen…
Derweil drehte sich Rogue zu Bobby um, der nicht besonders gut gelaunt war. Es war ja auch nicht das erste Mal, dass sich seine Freundin gegen ihn stellte. Seit sie aufgebrochen waren, stand sie immer wieder hinter Logan und Lucy, was Bobby nicht von ihr kannte und was ihn auf eine Weise wütend machte. Er nahm sogar Rogues Arm und führte sie dann ein Stück weiter von den anderen weg: „Was soll das Rogue? Du kannst nicht immer das tun, was Logan gerade für richtig hält und mich dann bloßstellen. Ich bin dein Freund, weißt du das nicht mehr?“
„Natürlich weiß ich das, ich liebe dich doch und ich will dir auch bestimmt nicht wehtun, aber… Lucy wird wissen, was sie tut und eine andere Spur haben wir ja auch nicht. Es gibt also gar keine Möglichkeit für uns, irgendetwas zu entscheiden. – Bitte versteh doch, dass ich einfach nur einen Weg finden will, wie…“, Rogue ließ ihren Kopf sinken und streichelte ihre Handschuhe übereinander. Sie wollte sie endlich loswerden und Bobby berühren, ohne Angst davor, was er danach durchmachen musste.
+++
Max sah wie Bobby und Rogue miteinander redeten und setzte sich dann zu Lucy: „Und… bist du nun auch glücklich?… ich meine, jetzt wo du und Logan…“
„Ich bin glücklich. Danke Max.“, Lucy sah ihren besten Freund an und wusste, dass seine Gefühle für sie noch immer in ihm waren. Sie konnte sie ihm nicht nehmen, aber stärker werden durften sie auch nicht und so stand sie wieder auf und war froh, als Logan und Eric sie alle zum Aufbruch aufforderten.
+++
Seezer schaute sich um. Über ihm bewegte sich etwas, aber er konnte die Menschen nicht erkennen. Sie waren alle umgeben von einem seltsamen Schleier, wie er ihn noch nie gesehen hatte. Es beunruhigte ihn irgendwie und er kletterte aus seinem Rohr hinaus. Dann sah er sich wieder um… die seltsamen Leute waren wieder verschwunden, aber seine Unruhe nicht. Irgendwo über ihm mussten sie noch sein und er hatte das Gefühl, als würden sie da nicht bleiben. Er musste hier weg und zwar schnell, denn sonst würden sie ihn hier finden und er wusste nicht, ob er das wollte.
+++
Logan ging vor und hielt Lucys Hand. Er wollte sie hier unten nicht alleine lassen und Bobby ging es mit Rogue ähnlich. Egal was vorher auch war, nun mussten sie zusammen halten und waren wenn nötig sogar bereit für einen Kampf. Doch Kurt und Lucy wollten dies unter allen Umständen verhindern, denn immerhin war sie doch friedliche Mutanten und sollten keinen Kampf beginnen. Der Unbekannte sollte zudem keine Angst vor ihnen bekommen, denn vielleicht konnte er ihnen helfen. Vielleicht war er einer von denen, die sie suchten. Einer der Mutanten, die so waren wie sie… vielleicht konnte er sie aber auch nur einen Schritt näher bringen und das würde schon genügen. Mehr konnten sie auch nicht erwarten, aber hoffen und so strahlten Lucys Augen. Sie war zuversichtlich und wollte daran glauben, dass ihre Fähigkeiten ihnen wirklich geholfen hatten. Es wäre das erste Mal und sie würde sich später gerne daran erinnern. Sie drückte deshalb ihre Hand fester zu und ließ Logan ihre Freude spüren, die nur durch ihren Handschuh gedämpft wurde: „Wir kommen näher und wir werden diesen Mutanten finden.“
„Ja, das werden wir und dann wird es uns allen besser gehen. Wir sind nämlich nicht allein auf dieser Welt. Uns gibt es überall.“, Lucy lächelte, bis sie ein Geräusch hörte…
„Hallo? Ist da jemand? Wir sind…“, Lucy wollte freundlich sein und dem unbekannten Mutanten sagen, dass er nichts vor ihnen zu befürchten hatte, doch ihre Freunde hielten sie zurück. Sie konnten sich schließlich nicht sicher sein, was dort im Dunkeln auf sie wartete und sollten lieber vorsichtig sein. Bobby und Logan stellten sich aus diesem Grund schützend vor ihre Freundinnen, während Mystique versuchte in der Dunkelheit irgendetwas zu sehen. Sie wollte die Gestalt des Mutanten annehmen, um ihn zu verwirren, aber alles, was sie von ihm bekamen, war das Grollen seiner Stimme: „Ihr werdet mich nicht wegholen. Ihr seid nur Menschen, jämmerliche Menschen und ich kann euch sehen… egal, wo ihr auch seid.“
+++
Seezer versteckte sich vor den Unbekannten und hoffte, dass seine Stimme fest genug war. Denn er hatte Angst und das durften sie nicht spüren. Er durfte nur ihnen Angst einjagen, damit sie wieder hier verschwanden, doch scheinbar hatten sie genau das nicht vor. Sie bewegten sich auch nicht, das konnte er sehen. Sie… sie waren, aber… das konnte doch nicht sein. Mitten unter diesen Menschen… ja, er konnte es sehen. Da war eine… eine Mutantin…
+++
Kurt schlug vor, dass er sich weiter in die Dunkelheit hineinwagte, doch Eric schmetterte seinen Vorschlag nieder: „Das ist reiner Selbstmord. Nein, erst müssen wir wissen, mit wem wir es zu tun haben.“
„Mit Seezer!“, Seezer kam aus seinem Versteck und ging auf die Mutanten zu. Da er Mystique gesehen hatte, musste er wissen, was diese Menschen waren. Wollten sie ihn umbringen? Wie eine Ratte im Labor untersuchen? Oder was hatte sie hierher gebracht?
„Ihr Name ist Seezer?… Mein Name ist Logan. Wir alle sind Mutanten, genau wie sie. Richtig?“, Logan machte einen Schritt auf Seezer zu und zeigte dem Mutanten seine Krallen. Seezer zuckte erschrocken zusammen und nickte dann. Er hätte nie gedacht einmal anderen Mutanten zu begegnen, doch jetzt freute es ihn beinahe. Er führte die Gruppe sogar zu einer kleinen Feuerstelle, die er errichtet hatte. Es war eins der Rohre, durch das kein Wasser mehr floss, weil man den darüber fließenden Flusslauf trocken gelegt hatte. Dort setzten sie sich alle hin und Seezer war noch immer beeindruckt: „Ich habe noch niemals andere Mutanten gesehen… ich sehe immer nur Menschen. Überall sind sie, auch hinter diesen Wänden. Sie streiten, hassen und lieben sich… aber, wie habt ihr mich gefunden?“
„Wir sind auf der Suche nach anderen Mutanten. Mutanten, die so sind wie wir. Jemanden mit den gleichen Fähigkeiten. Ich heiße übrigens Max und ich laufe meilenweit in Sekunden.“, Max reichte Seezer seine Hand und spürte dann den festen Händedruck: „Ich kann durch jede Art von Wand sehen – und kann das jemand von euch?“
Seezer blickte in die Runde, aber niemand nickte. Sie waren also alle anders als er und hatten nicht das gefunden, was sie gesucht hatten. Aber heute würden sie erst einmal bei Seezer bleiben und hier weiter überlegen, was sie als nächstes tun sollten. Denn immerhin hatte Lucy niemanden gefunden, der so war wie sie und hatte damit das Vertrauen der Anderen in sie gestört. Vor allem Mystique wollte von der Kleinen gar nichts mehr hören und auch Bobby würde es sich zweimal überlegen, ob er sich von Rogue überreden lassen würde oder ob er nicht vielmehr seine Freundin von seinem Standpunkt überzeugen sollte.
Denn so funktioniert Freundschaft und Liebe doch – ein ewiges Geben und Nehmen und Bobby hatte genug davon immer nur zu geben, aber nichts dafür zu bekommen. Damit musste Schluss sein und Lucy konnte es ihm ansehen. Seinen Wunsch… seine Gedanken… sie lagen alle wie auf einem Silbertablett wie die der Anderen. Nur Logan, Max und Eric hofften noch unbeirrt weiter, doch die anderen hatten Zweifel…
Lucy stand auf und wollte etwas an die frische Luft gehen. Sie konnte hier nicht einfach nur herumsitzen. Sie musste auch irgendetwas tun und bat ausgerechnet Kurt mit ihr zu kommen. Er folgte ihr, wenn auch verwirrt: „Warum sollte ich denn jetzt mit dir kommen?“
„Weil ich dein Gegenstück schon kennen gelernt habe… Kurt… mein Bruder war ein Springer. Es war, als wäre er überall zur gleichen Zeit und du… du bist genau so. Nur weiß ich nicht, ob es noch jemanden wie euch gibt… denn mein Bruder ist tot…“, Lucy schaute nach unten und gut ging es ihr in diesem Moment nicht. Kurt merkte das und legte Lucy seine Hand auf die Schulter: „Danke, dass du mir das gesagt hast. Ich glaube, jetzt kann ich dich besser verstehen. Du suchst nicht nur einen, der so ist wie du… du suchst jemanden, der deine Fehler wieder gut macht.“
„Was? Nein, ich… du bist gar nicht Kurt. Du bist Mystique.“, Lucy hatte auf einmal Angst, als Eric, Logan und die anderen aus der Dunkelheit kamen. Sie hatten mitbekommen, dass Lucy mit Mystique gegangen war und Eric vertraute dieser Konstellation nicht: „Mystique?… Lass sie in Ruhe. Lucy hat dir nichts getan.“
„Dieses Mädchen macht alles kaputt. Sie mischt sich in Dinge ein, die sie nichts angehen. Sie glaubt, sie hätte für alles eine Lösung, dabei ist sie nur ein Niemand.“, Mystique war in Rage und verwandelte sich Logan, nur um Lucy angreifen zu können. Doch der richtige Logan brachte seine Freundin in Sicherheit und zerschnitt dafür Mystique das Gesicht: „Du hattest deine Chance und nun ist deine Zeit abgelaufen. Du wirst niemanden von uns angreifen und Lucy in Frieden lassen. – Verschwinde jetzt einfach oder ich sorge dafür, dass du keine andere Gestalt mehr annehmen kannst.“
Mystique sah noch einmal in die Runde, ehe sie sich in eine ganz gewöhnliche Frau verwandelte und davonlief. Sie hatte ihre Chance vertan und das Böse nicht überwinden können. Aber war sie damit die Einzige oder verheimlicht noch jemand seine wahren Beweggründe?