Folge 3.08

Folge 8 (31)

        Kannst du mich hören?

        Do you hear me?

 

 

An diesem Morgen war Logan schon eine ganze Weile auf den Beinen, ehe seine Freundin aufwachte. Sie sah durch den Wind aus und ziemlich zerzaust, doch etwas machte sie auch froh: „Guten Morgen, Logan.“

„Morgen. Kleines. – Sagst du mir, warum du so gut gelaunt bist?“, Logan sah seine Lucy an und sein Herz klopfte schneller, als ihr Lächeln den Tag erstrahlen ließ: „Ich glaube heute wird ein guter Tag. Es wird ein ruhiger Tag, an dem wir alle durchatmen können… und irgendetwas sagt mir, dass wir bald am Ziel sind. Wir werden einen Weg für uns finden, das habe ich sogar geträumt.“

„Na, wenn du es geträumt hast, dann muss da auch was Wahres dran sein. Ich freue mich schon, dich endlich einmal in meinen Armen halten zu können und neben dir einschlafen zu können… ich will dir endlich einen Kuss geben ohne diese Schmerzen zu empfinden.“, Logan schluckte und drehte seinen Kopf, während Lucy ihren an sein Shirt anlehnte. Sie wollte ihm auch endlich nahe sein und doch konnte dieses Gefühl ihre Stimmung nicht verschlechtern, denn schlimmer konnte es nicht mehr werden…

 

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Rogue und Bobby waren schon beim Frühstücken, als Kurt zu ihnen kam. Er sah das junge Pärchen dort am Tisch sitzen und merkte, dass sie nicht mehr so verrückt nach einander waren. Ihre Gestiken, ja ihr ganzes Verhalten wirkte abwesend und Kurt tat dies weh: „Hey, schön euch beide hier zu sehen. Ich dachte schon, ich wäre alleine hier unten. – Und wisst ihr schon, was wir heute machen? Ich meine, das Treffen mit Seezer war doch ganz lustig, so was könnten wir doch noch mal machen, oder?“

„Oh ja, lassen wir Lucy nach Lichtern suchen und uns ins Nichts führen. Das bringt es dann auch… Ich dachte wir suchen wirklich nach etwas, aber so? Was soll das? Es bringt keinen von uns weiter und das scheint keiner verstehen zu wollen.“, Bobby war wütend und hatte auf einmal auch keinen Hunger mehr. Er verließ den Speisesaal der kleinen Jugendherberge und rannte dabei fast seinen besten Freund um. Max folgte ihm natürlich sofort und hielt Bobby dann an dessen Schulter fest: „Hey, was ist los? Du stürmst aus dem Esszimmer und scheinst auch sonst nicht gerade gut gelaunt zu sein…“

„Was soll schon sein? Nichts, nur dass Rogue plötzlich nur noch an Logan hängt und deine Lucy uns alle ins Ungewisse laufen lässt. – Ich halt das nicht mehr aus, vielleicht hatte John ja sogar…“, Bobby beendete seine Vermutung nicht, aber Max wusste genau, was er sagen wollte. Lucy sei eine Gefahr für sie alle, eine Verräterin, die sie ins Unglück stürzt…

Max wollte diese Vorwürfe gegenüber seiner besten Freundin nicht hören und ließ Bobby allein: „Denk erst einmal nach, bevor du solche Dinge sagst.“

 

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Eric verließ gerade sein Zimmer, als auch Lucy und Logan nach unten gehen wollten: „Oh, auch schon wach, ja? – Habt ihr denn gut geschlafen? Ich meine, diese Betten sind ja wohl noch aus dem letzten Jahrhundert, da macht sich ein alter Mann, wie ich, den ganzen Rücken mit kaputt.“

„Du bist doch nicht alt, Onkel. Lass uns erst einmal frühstücken und da…“, Lucy hielt sich den Kopf und wollte nicht sehen, was da gerade passierte…

Logan und Eric hielten sie fest, denn sie merkte nicht einmal, dass sie zusammenbrach. Sie war auch nicht ansprechbar, weil die Bilder in ihrem Kopf sie so sehr bewegten. All diese Angst, dieser Schmerz… diese Stimmen…

„LUCY! Lucy, hörst du mich? Liebes, komm wieder zu dir. Lucy!“, Logan schüttelte seine Freundin und redete auf sie ein, bis sie sich benommen an ihm festklammerte und anfing zu weinen: „Er… er ist… Logan, er ist… er…“

„Was denn? Lucy, was ist los?“, Logan bekam auf einmal Angst und machte sich große Sorgen um seine Freundin. Sie war so blass und zitterte am ganzen Körper. Er schien nichts dagegen tun zu können und wollte sie zurück ins Zimmer bringen, aber Eric bewegte den Mutanten dazu, sie nach unten zu bringen: „Sie muss etwas essen, sonst wird sie gleich ohnmächtig. Komm, alles andere wird ihr so oder so nicht helfen.“

Logan nickte und nahm Lucy in seine Arme, um sie nach unten zu tragen. Dort rannten gleich Max, Rogue und Kurt zu ihnen, die wissen wollten, was los war. Doch niemand konnte ihnen eine Antwort geben…

Max stellte deshalb Logan zu Rede und hätte ihm am liebsten eine rein gehauen: „Wie konntest du zulassen, dass ihr so etwas passiert? Ich dachte, du liebst sie…“

„Ich liebe sie und glaub mir, wenn ich wüsste, wie ich ihr helfen kann, dann würde ich alles tun… aber ich weiß genau so wenig wie du…“, Logan wollte sich von Max nichts sagen lassen, vor allem nicht, wenn es um Lucy ging, die sich langsam wieder hinsetzte. Eric und Rogue halfen ihr dabei, etwas zu essen, was ihr neue Kraft gab. Kraft genug, um zu erzählen, was sie bereits in der vergangenen Nacht geträumt hatte…

 

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Bobby lief durch die Gänge der Jugendherberge, bis er bemerkte, dass er sich ständig im Kreis bewegte. In seiner Wut war es ihm völlig egal gewesen, wohin er ging und doch setzte er sich nun auf den kalten Steinboden. Er musste über John nachdenken und alles, was sein früherer bester Freund getan hatte. All seinen Hass gegenüber Lucy und allen Menschen… hatte Bobby sich nun selbst so eine Meinung verschafft? Konnte er so tief sinken wie John und bald auch nur noch Menschen angreifen? Nein, das durfte nicht sein… Bobby schüttelte vehement den Kopf, denn so enden wollte er nicht. Er wollte wieder an andere glauben, so wie früher in der Schule. Dort hatte er sich sicher gefühlt und hatte auch Lucy helfen wollen. Er war froh, Max und Rogue zu haben und diese wollte er nicht mehr verlieren. Er stand mit einer festen Überzeugung auf und wollte seinen Freunden seine Entscheidung mitteilen, als neben ihm jemand aus dem Nichts auftauchte…

 

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Lucy stellte sich ihren Freunden gegenüber, sie sie alle erwartungsvoll und doch voller Angst und Sorge ansahen. Ihre Worte beruhigten niemanden, denn sie trugen etwas Böses in sich: „Ich habe es in einem Traum gesehen, aber ich wollte euch auch nicht beunruhigen… es war John und er hat in einer Höhle oder so etwas gelegen… er hatte furchtbare Schmerzen und es schien so… nein, es fühlte sich so an, als würde er um sein Leben kämpfen.“

„Lucy, warum hast du uns das nicht sofort erzählt? Wir müssen John unbedingt finden. Egal, was er auch sonst getan hat, wir können nicht zulassen, dass er getötet wird.“, Rogue hätte lieber jetzt als gleich los gewollt, aber dann unterbrach Eric sie: „Was ist, wenn es eine Falle ist? Wenn jemand Lucy diese Träume geschickt hat und… ich meine, selbst Charles lag nicht immer richtig…“

„Aber wie finden wir heraus, was die Wahrheit ist?“, Logan wollte Lucy nicht zu viel zumuten, aber er wusste bereits, dass nur sie ihnen weiterhelfen konnte – nur wie?

 

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Bobby kam wieder zu sich und wachte genau an dem gleichen Ort auf, wo er gerade noch überrascht worden war. Jetzt war er aber wieder alleine, so als wäre gar nichts passiert. Doch er hatte doch kurz jemanden gesehen, das konnte er sich doch nicht nur eingebildet haben, oder? War er so in Gedanken gewesen, dass diese ihm nun einen Streich spielten? Wenn ja, was sollte er dagegen tun? Wie hörten diese Kopfschmerzen wieder auf und woher kam dieses seltsame Brennen auf seiner Haut? Es war wie ein Feuer, das von seinem Eis jedoch eingedämmt werden konnte. Aber das erklärte gar nichts… er musste seine Freunde finden und ihnen erzählen, was passiert war oder was er glaubte, dass es passiert sei. Denn beweisen konnte er schließlich nichts… es war alles nur in seinem Kopf und dieser tat so weh, als wolle er gleich platzen…

 

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Eric erinnerte sich daran, dass sein alter Freund Charles für die Wahrheit nur die Augen schließen musste. Alles andere entstand dann in seinem Kopf. All die Bilder, die sich hintereinander abspielten wie ein Film und dann einen Sinn gaben, den niemand anderes auf diese Weise hätte entschlüsseln können. Doch Lucy war Charles´ Tochter und deshalb war es ein Versuch wert: „Kleines, schließ deine Augen. Ich werde dir jetzt helfen… du musst auf dich vertrauen und dann wirst du es auch schaffen. Du musst das tun, was dein Vater immer getan hat. Du erinnerst dich doch noch… du und Happy, ihr konntet eurem Vater nie etwas vormachen, denn Charles kannte immer die ganze Wahrheit und du kannst das auch. – Schließ deine Augen Truth…“

Lucy vertraute ihrem Onkel und hielt seine Hände, während sie ihre Augen schloss und doch wusste, dass alle anderen sie anstarrten. Sie würde die Wahrheit herausfinden, daran glaubten sie… doch keiner von ihnen wusste, dass sich Lucy kein einziges Bild zeigte, sondern nur eine Stimme in ihrem Kopf erklang… ich bin bald bei dir… so nahe… so ähnlich… wir sind eins, Truth und ich habe dich gefunden. Ich weiß, wo du bist und ich weiß, was du dir wünschst… du musst nicht mehr suchen… ich bin bald bei dir… kannst du mich hören, Truth?… ich bin bald wieder bei dir… vertrau darauf…

„Nein… das… nein, was ist… wer ist…“, Lucy hatte ihre Augen aufgerissen und schaute hektisch von einer in die andere Richtung. Sie wusste nicht, woran sie denken sollte. Schaffte es nicht, einen klaren Gedanken zu fassen, sondern dachte immerzu an diese Worte. Woher waren sie nur gekommen? Wer hatte mit ihr gesprochen und würde bald wieder bei ihr sein? Konnte sie diesem jemand vertrauen, oder waren seine Worte vielmehr eine Drohung und sie musste vorsichtiger werden? Konnte sie es also überhaupt ihren Freunden anvertrauen?…

 

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Bobby torkelte zurück zum Speisesaal und hoffte darauf, dass seine Freunde noch dort waren. Seine Schmerzen waren wieder vorbei, aber er fühlte sich noch schwach und wollte wieder bei ihnen sein. Er brauchte sie und wollte sich deshalb auch bei Lucy entschuldigen. Sie sollte wissen, dass er wieder an sie glaubte und nicht noch einmal aufhören würde…

Als er durch die Tür des Speisesaals ging, bemerkte ihn niemand und Bobby war sofort klar, dass etwas passiert sein musste: „Sagt ihr einem Trottel, was er verpasst hat?“

Rogue erblickte ihren Freund als erstes und lief zu ihm. Sie umarmte ihn, ließ dann aber sofort wieder los. Danach folgte er ihr zu den anderen, die sich um Lucy versammelt hatten. Vor allem Logan und Max wollten ganz nah bei ihr sein und versuchten zu verstehen, was los war. Max redete aus diesem Grund immer wieder auf Lucy ein, doch Logan stand nur da und sah auf sie hinunter. In seinem Gesicht konnte seine Freundin seine ganze Verzweiflung ablesen und das war ihr mehr wert, als alles andere. Er brauchte kein Wort, um sie wissen zu lassen, dass er sich unendlich um sie sorgte. In diesem Moment wollte zwar etwas von ihr hören, aber er konnte sich auch zurückhalten. Er war ja immer der schweigsame gewesen, nur wenn sie in Gefahr war, dann brach es aus ihm heraus… nur wusste sie in diesem Moment nicht, ob sie es war oder nicht…

„Sag irgendetwas. Nur ein Wort… bitte…“, Logan fühlte, dass etwas nicht stimmte und dann ließ sie auch noch ihren Kopf sinken. Kein Lächeln mehr für ihn, kein Wort zur Beruhigung… es war also wahr. Da draußen war etwas, dass seiner Freundin keine Ruhe ließ. Auch er ging ohne ein weiteres Wort. Er wollte ein paar Minuten vor dem Haus sitzen und durchatmen. Doch als er die Tür öffnete, war Lucy schon dort: „Es tut mir Leid… ich wollte dich heute Morgen nicht anlügen, aber… ich wollte nicht, dass du dir solche Sorgen um mich machst… bitte, verzeih mir…“

„Lucy… ich weiß, warum du es getan hast, aber das ändert nichts. Ich bin dein Freund. Du liebst mich, aber du hast keinerlei Vertrauen zu mir… ist das deine Liebe zu mir? Hast du dich deshalb für mich entschieden, anstatt für Max… weil du mir Dinge verheimlichen kannst?… sag mir einfach die Wahrheit… nur einmal…“, Logan stand Lucy gegenüber, die ihm tief in die Augen sah und wusste, dass es nun kein Zurück mehr gab…

 

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Max fühlte ins Nichts, wo Lucy gerade noch gelegen hatte. Sie war einfach verschwunden und hatte ihre Freunde zurückgelassen. Warum sie dies immer und immer wieder tat, verstand keiner von ihnen, doch dann meldete sich Kurt zu Wort: „Ich weiß nicht, ob das möglich ist… aber was ist, wenn dieses Mädchen mehrere Fähigkeiten hat? Ich meine, sie kann diese Dinge sehen und dann verschwindet sie immer wieder, genau wie ich… Mir erscheint das mehr als merkwürdig.“

„Lucy hat niemandem von uns je von ihren Fähigkeiten erzählt… aber ich denke, da ist sie nicht die Einzige, nicht war Mister Lehnsherr?“, Rogue drehte sich zu Eric um, der schluckte. Er wusste zwar noch nicht, was genau die junge Frau von ihm wollte. Doch sein Geheimnis war nun in Gefahr.

 

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Lucy stand vor Logan und sah auf ihre Hände, um seinen Blick nicht noch länger ertragen zu müssen: „Du willst es wissen?… Glaub mir, dass es mir nie einfach gefallen ist, dir irgendetwas zu verschweigen… aber es war sicherer für dich… es hat mit dem zu tun, was ich kann, was ich wirklich bin. Denn ich bin kein einfacher Mutant, sondern… ein Sammler…“

 

Fortsetzung folgt…

 

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